Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Das Beethoven-Lexikon

13.09.2008 — Beethoven «in space», Marketing, «Für Elise» in der Popmusik, Filmmusik, Europa-Hymne, «Roll over Beethoven» – allein an diesen wenigen herausgegriffenen Artikeltiteln zeigt sich das Beethoven-Lexikon aus dem Laaber-Verlag auf der Höhe unserer Zeit. Denn da war vorgängig eine immense Materialfülle zu sichten, aufzuarbeiten und traditionellen wie neuen Stichworten zuzuweisen seit Theodor Frimmels zweibändigem Beethoven-Handbuch von 1926. Nach über achtzig Jahren liegt nun wieder ein Lexikon vor, das fundierte Auskunft gibt über den «Musikgottessohn Beethoven» (Hans von Bülow), über sein Leben, sein Schaffen, seine Epoche, seine Wirkung, seine Rezeption und seine herausragenden Interpreten.

Klar, dass die Dimension des zu bewältigenden Stoffs die Kräfte und das Wissen eines einzelnen Autors überfordert. So stellte sich denn unter der Leitung der beiden Herausgeber Heinz von Loesch und Claus Raab ein Team von hundert Spezialistinnen und Spezialisten in den Dienst dieser mächtigen Enzyklopädie. Sie schliesst als Band 6 das grosse, von Albrecht Riethmüller im Laaber-Verlag herausgegebene Beethoven-Handbuch ab.

Vom ersten Artikel über des Meisters letztes Klavierlied («Abendlied» WoO 150) bis zum letzten Stichwort (Zyklus) spannt sich ein weiter Bogen, unter dem alles Wesentliche und etliches Nicht-Erwartete – und manch weniger Schwergewichtiges, auch Unterhaltsames – zum Thema Beethoven versammelt ist.

Den Kern bilden Beethovens Persönlichkeit und Leben, seine Musik und sein biografisches Umfeld. Nicht weniger gründlich ausgeleuchtet werden die diversen Aspekte der Rezeption Beethovens in den Bereichen Musik, Literatur, Musikwissenschaft, Bildender Kunst, Philosophie, Politik sowie in verschiedenen Ländern. Ein weiteres Spektrum umfasst die Geschichte der Beethoven-Interpretation (Porträts von Dirigenten, Pianisten, Kammermusikensembles, Geiger, Cellisten in deren Verhältnis zum Werk des Klassikers).

Die Stärke dieses fast 900-seitigen Lexikons bewährt sich nicht nur in den konzis und mit Blick auf den interessierten Laien verständlich abgefassten, sprachlich sorgfältig formulierten Einzelartikeln (Verweispfeile wurden sparsam gesetzt, inhaltliche Überschneidungen sind sinnvoll und in der Regel gar unerlässlich), sondern liegt zudem darin, dass unter einem Stichwort eine ganze Entwicklung in zeitlicher Folge dargestellt, zusammengefasst und gewürdigt ist. Dies bewährt sich insbesondere in zum Teil umfangreichen kompositionstechnischen Artikeln (Arpeggio und Glissando, Coda, Dynamik, Kadenzen, Medianten, Modulation, motivisch-thematische Arbeit, Satzmodelle, Schreibstil, Rhetorik, Skizzen, Variation) oder etwa auch in mentalitätsgeschichtlichen, drucktechnischen, editorischen, soziokulturellen und juristischen Beiträgen.

Umsichtig abwägende Interpretationen zeichnen die Würdigungen der Werke aus (darunter auch marginale), wobei neben der Analyse die Entstehungs-, Publikations- und Aufführungsgeschichte erläutert wird.

Den einzelnen Artikeln angefügt sind entsprechende Hinweise zu Schriften, Literatur, Ausgaben, Diskografie.

Dieses vielfältige Lese- und Studienwerk – im Zweispaltensatz umbrochen und durch Schwarz-weiss-Abbildungen bereichert – enthält ein Artikel- und ein Autorenverzeichnis, ein nach Opus-Nummern gegliedertes Werkverzeichnis und eine Chronik von 1770 bis 1827, ferner im Rahmen der jeweiligen Artikel nützliche Auflistungen (Autographe; Dichter, deren Texte Beethoven vertonte; Faksimileausgaben; Kadenzen zu den Klavierkonzerten; alte und Neue Beethoven-Gesamtausgabe; Skizzen, Skizzenbücher; Widmungsempfänger).

All jene, die meinen, Lexika seien Werke zum eiligen Nachschlagen und rasch wieder Weglegen, sehen sich hier eines anderen belehrt (und seien auf der Hut): Wer im Beethoven-Lexikon irgendwo zu lesen beginnt, kommt so schnell nicht wieder davon los.

Zitat aus dem Buch:
«Bedenkt man, daß sich Beethoven über Jahrzehnte in ständiger Behandlung häufig bei mehreren Ärzten gleichzeitig befand, so erkennt man allein darin ein wesentliches Armutsrisiko.» (Artikel Finanzen, Seite 250)
(ws)

Heinz von Loesch und Claus Raab (Hrsg.): Das Beethoven-Lexikon. Beethoven-Handbuch Band 6. Mit 116 Abbildungen, einer Chronik und einem Werkverzeichnis. Laaber-Verlag, Laaber 2008. 890 Seiten. € 98,– (Subskriptionspreis bis 30.09.2008, danach € 118,–). ca. Fr. 170.–.

Schreibe einen Kommentar