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Musik-Konzepte: Wilhelm Killmayer

16.06.2009 — «Mein Werkverzeichnis umfasst Oper, Orchesterwerke, Kammermusik und Vokalkompositionen mit über die Jahre hinweg wechselnden Schwerpunkten. – Musik ist eine Körperkunst. Sie fordert zur akustischen Hervorbringung ganzkörperlichen Einsatz. Sie berührt auch den Zuhörenden körperlich und kommt deshalb unserem Glücksverlangen am unmittelbarsten entgegen, denn die musikalische Physiognomie ist auch eine körperliche Mitteilung.» Der 1927 in München geborene Komponist Wilhelm Killmayer eröffnet mit «Selbstauskunft», konzentrierten Erläuterungen zu seinem Schaffen, den ihm gewidmeten neuen Doppelband der Reihe Musik-Konzepte.

Mit Ausnahme eines weiteren Artikels gehen die hier versammelten Beiträge auf das anlässlich von Killmayers 80. Geburtstag in München durchgeführte wissenschaftliche Symposium zurück. Stil und Ästhetik im vielseitigen Werk dieses querständigen Aussenseiters bilden den einen Schwerpunkt, während der andere einzelne Kompositionen und Gattungen in den Blick nimmt.

Wolfgang Rathert untersucht Killmayers Denken und die daraus hervorgegangene Musik im Kontext der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts («Es bleibt ein Rest von Magie oder Wilhelm Killmayers musikalische Sendung»); Siegfried Mauser reflektiert die musikalische Kommunikation in Killmayers Komponieren («Dem Vertrauten die Würde des Fremden wiedergeben»); Enjott Schneider arbeitet den «Kind»-Archetyp als Agens in Killmayers Werk heraus («Kunst ist Kindheit nämlich»). Dem Sinfoniker Killmayer und der Sinfonik nach 1950 geht Laurenz Lütteken nach («Verschüttete Zeichen»).

Mit einzelnen Werken bzw. Werkgruppen befassen sich die Analysen von Hanns-Werner Heister (Poème symphonique Nr. 4), Ulrich Dibelius (Nachtgedanken), Jörn Peter Hiekel (Schumann in Endenich), Rainer Nonnenmann (Heine-Lieder), Gernot Gruber (Mörike-Lieder), Giselher Schubert (Yolimba) und Hans-Christian von Dadelsen (Hölderlin-Lieder).

Der materialreiche Band, der eine differenzierte Auseinandersetzung mit Killmayers Œuvre ermöglicht, schliesst mit den Abstracts, bibliografischen Hinweisen, der Zeittafel und den Kurzbiografien der Autoren.

Zitat aus dem Buch:
«Ich glaube nicht, dass Musik um jeden Preis fließen und schäumen muss. Ich glaube nicht, dass Anmut gegenüber Schwermut eine mindere Kategorie darstellt, meist liegt beides nebeneinander; der Mensch ist vielschichtiger, neugieriger und widersprüchlicher, als der Markt und die Politik das vertragen. Dass unser Leben nicht weitere Systeme braucht, sondern Lücken in diesen, erscheint heute nicht mehr ganz absurd. Meine Musik lebt in der Vergangenheit und in der Zukunft und ist vielleicht gerade deshalb gegenwärtig.» (Wilhelm Killmayer in «Selbstauskunft», Seite 8)
(ws)

Wilhelm Killmayer. Musik-Konzepte Band 144/145. Neue Folge, herausgegeben von Ulrich Tadday. IV/2009, edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, München. 171 Seiten mit Notenbeispielen. € 22,50. Fr. 38.90.

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