06.03.2013 — Es wagnert landauf landab. Haufenweise CD-Boxen und DVDs, stapelweise Bände und Bücher. Das handlichste und unterhaltsamste, das zu des Meisters 200. Geburtstag erschienen ist, widmet sich den heiteren Seiten seiner Persönlichkeit und der Wirkung in seiner Zeit.
Es gibt ja beileibe nicht viel zu lachen in Richard Wagners Musikdramen (es sei denn über unfreiwillig komische Elemente), doch er selbst besass durchaus bodenverhafteten, mit Selbstironie gepaarten Humor, was sich in seiner Autobiografie «Mein Leben», in Briefen und in Tagebuchaufzeichnungen seiner Gattin Cosima und in Erlebnisberichten und Anekdoten von Freunden und Verehrerinnen niedergeschlagen hat.
Zahlenmässig ergiebiger in den von Ulrike Kienzle zusammengestellten, dank sachdienlichen Erläuterungen und Anmerkungen auch für Nicht-Wagnerianer stolperfrei zugänglichen Texten von Zeitzeugen sind die witzigen und bissigen, empörten und gehässigen Standpauken in Wort und Karikatur, weder Person noch Schaffen verschonend.
Da mutiert «der Hochselige» (wie ihn Anton Bruckner nannte) über den «Priester der ‚Zukunft’» (Zeitschrift Musical World), den «Dauermelodiendichter» (Fritz Mauthner) und den «Dämon» (Wilhelm Tappert) zum «Rattenkönig» (Deutsche Musikzeitung).
Die Wächter aller gutbürgerlichen Tugenden sind in der Überzahl: «Der Glaube an seine Musik der Zukunft ist bedeutend im Sinken. Man überzeugt sich immer mehr, dass seine Sachen nur den Wert einer glänzenden Instrumentation, aber weder Seele, noch Melodie haben. Was von letzterer darin gefunden werde, habe er gestohlen», heisst es in einem Vertraulichen Bericht der Wiener Polizei von 1854.
Wie sich die Geister meist nicht schieden, vielmehr auf den «Bayreuther Großkophta» und «Dalai Lamas Oberpriester» (Tappert) droschen, liest sich mit Kurzweil und Schmunzeln. Den «ungestümen Wegebahner» (Georg Herwegh) focht dies kaum an, denn auch er war im Austeilen kein Kind von Schüchternheit.
Zitat aus dem Buch:
Mit dem «Tannhäuser» soll sich Rossini intensiv beschäftigt haben. Eines Tages traf ihn ein Schüler dabei an, wie er dem Klavier chaotische Klänge entlockte. «Aber Maestro», verwunderte sich der junge Mann, «Sie haben den ‚Tannhäuser‘-Auszug ja verkehrt am Pult liegen!» – «Ja», seufzte Rossini, «ich hab’s schon anders herum probiert, aber es klingt auch nicht besser!» (Seite 104)
(ws)
Ulrike Kienzle (Hrsg.): Wagner zum Vergnügen. Reclam-Verlag, Stuttgart 2013. Universal-Bibliothek 18846. 167 Seiten mit 16 Abbildungen. € 5,–. Fr. 7.90.