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Lange Wege zur Anerkennung der Musiktherapie

07.11.2006

Das Berufsbegleitende Aufbaustudium Musiktherapie (BAM), das seit neuestem unter dem Dach der Zürcher Fachhochschulen eine Heimat gefunden hat, blickte an der Hochschule für Musik und Theater Zürich auf zwanzig Jahre Aufbauarbeit und einen schliesslich erfolgreichen Kampf um Anerkennung zurück.

An der Feier hat Sandra Lutz-Hochreutener, eine der Begründerinnen des BAM offiziell mitteilen können, dass der Studiengang als ausserordentliches Mitglied in die Schweizer Charta für Psychotherapie-Ausbildungen aufgenommen worden ist. Dies ist der bislang letzte Schritt eines langen Weges hin zur breiten Anerkennung der Musiktherapie in der Schweiz als ernstzunehmendes hochschulgestütztes Therapieangebot.

Die wichtigsten Etappen waren in den letzten Jahren die Vorbereitungen zu einem Ausbildungsgang, der im Rahmen des Bologna-Systems befähigt ist, den europäisch anerkannten Titel «Master of Advanced Studies» zu verleihen. Eingeführt wird die vier- bis fünfjährige Ausbildung im Jahr 2008. Ein nicht minder bedeutender Schritt bildete 2004 die Eingliederung des BAM in die Lehrgänge der Zürcher Hochschule für Musik und Theater (HMT) und damit die Aufnahme ins Schweizer System der Fachhochschulen, das sich zur Zeit in Reformation befindet.

Bis hierhin musste das BAM allerdings einen weiten Weg zurücklegen. Die ersten Schritte erfolgten vor beinahe einem Vierteljahrhundert mit der Gründung des Schweizerischen Fachverbandes für Musiktherapie (SFMT). Ein erster Einführungskurs ins Fach wurde 1984 am Konservatorium Schaffhausen realisiert, 1988 formierte sich eine erste Leitung für den Ausbildungsgang, bestehend aus Randi Coray, Fritz Hegi, Walter Kläy – heute Musikredaktor von DRS2 – Sandra Lutz Hochreutener, Maja Rüdisüli-Voerkel und Urs Voerkel.

In den neunziger Jahren wurde die Ausbildung mit dem Diplomstudiengang Musiktherapie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und der Berufsbegleitenden Weiterbildung Musiktherapie in München vernetzt. Allerdings waren in dem Jahrzehnt auch Rückschläge zu verbuchen. So scheiterte der Versuch, die Musiktherapie mit Angeboten aus den Bereichen Rhythmik und Psychomotorik zu vereinen, und 1998 weigerte sich die Konferenz der Gesundheitsdirektoren vorerst, die Musiktherapie als Berufsbild anzuerkennen. 2002 begannen dann aber die Verhandlungen, die letztlich zu der Verankerung der Ausbildung an der Fachhochschule und zur Aufnahme in die Charta führten.

Gefeiert wurden diese zwanzig Jahre Einsatz für die Heilkraft der Musik mit einer Feier in den Räumlichkeiten der HMT, der Präsentation aktueller Projekte von Schülerinnen des gegenwärtig laufenden sechsten Ausbildungsganges und der Uraufführung der Chorkomposition «Das herzwarme Braun der Erde – Novembrig» von Peter Roth. Der BAM-Dozent brachte darin Texte von Robert Walser und der Lyrikerin Elsbeth Maag in recht konventionell klingende Vokalsätze. Die Wiedergabe durch ein Instrumentaltrio, eine Solostimme und dem Chorprojekt St. Gallen wurde vom Publikum allerdings mit viel Applaus bedacht.

Eines der von den gegenwärtigen Absolventinnen präsentierten Projekte nahm das BAM-Jubiläum als Anlass zu einem Blick zurück – mit einem Film zu dessen wechselvollen Geschichte, andere boten eine Überblick über typische Anwendungsfelder: die Arbeit in der Schule, mit kranken Kindern, in der Heilpädagogik und in der rezeptiven sinnesübergreifenden Arbeit mit Bildern und Musik.

Die Integration der Musiktherapie in den Kreis der Lehrgänge der Psychotherapie, die bereit sind, sich Qualitätskontrollen zu stellen, bedeutet, dass sich auch das BAM mit den in letzter Zeit immer mehr in den Vordergrund drängenden Fragen zu Wissenschaftlichkeit und Wirksamkeitsnachweisen des eigenen Tuns beschäftigen muss. Die drei Pioniere Fritz Hegi-Portmann, Sandra Lutz-Hochreutener und Maja Rüdisüli-Voerkel haben dies mit einer 120 Seiten umfassenden Schrift getan, die an dem Jubiläumsanlass ebenfalls vorgestellt werden konnte: «Musiktherapie als Wissenschaft – Grundlagen, Praxis, Forschung und Ausbildung» bietet einen knappen und gut verständlichen Überblick über den Stand der Diskussion und die wichtigsten akademischen Publikationen. Wer sich in der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussion zur Musiktherapie auf den letzten Stand bringen möchte, dem sei der sorgfältig editierte und ansprechend gelayoutete Band, der im Selbstverlag herausgeben wird, ans Herz gelegt. Bezogen werden kann er bei den Autoren. (wb)

«20 Jahre bam» – Festanlass und Konzert zur Feier des 20-jährigen Bestehens des Berufsbegleitenden Aufbaustudiums Musiktherapie (BAM) vom 4. November 2006 in der Hochschule für Musik und Theater Zürich. www.musiktherapie-schweiz.ch

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