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Antonín Dvoráks «Tvrdé palice»

31.03.2004 — Opern hat er auch komponiert? Ja natürlich: «Rusalka». Antonín Dvorák – 1904, vor genau hundert Jahren, starb er in Prag – schuf neun Sinfonien (früher berücksichtigte man nur die fünf letzten) und eine Vielzahl von Kammermusikwerken. Dass für den tschechischen Meister seit seinen Anfängen auch die Oper zu einer zentralen Gattung gehörte, der er sich dann gegen Ende seines Lebens intensiv zugewandt hat, wird selten wahrgenommen. Denn nur mit dem lyrischen Märchen «Rusalka» konnte sich Dvorák international durchsetzen – vergessen sind die zehn weiteren Werke des Musiktheaters, darunter «Wanda», «Der Bauer ein Schelm», «Dimitrij», «Armida». Und die Komische Oper «Die Dickschädel», «Tvrdé palice». Dieser Einakter aus dem Jahr 1874 ist nun erstmals eingespielt worden.

Die Entstehung des heiteren Werks fällt in den Beginn von Dvoráks kompositorischer Neuorientierung in den Jahren 1873/74. Nach weitgehend autodidaktisch erfolgter Ausbildung im Metier des Tonsetzers hielt er sich an die Wiener Klassiker, an Mendelssohn, dann an Schumann und Wagner. Der Abbruch der Probenarbeit an der Erstfassung seiner Oper «Der König und der Köhler» in Prag war für den gut 30-jährigen Dvorák einer der Auslöser, das bisher Erreichte kritisch zu sichten – viele Partituren vernichtete er.

Nicht länger die Neudeutschen (Wagner, Liszt) standen ihm zu Gevatter, sondern wieder die klassischen Vorbilder. Zudem begann Dvorák, die slawische Folklore zu studieren und mit wachsender Intensität in seiner Musik zu verarbeiten. Zeugnisse des künstlerischen Neuansatzes sind die Streichquartette op. 9, op. 12 und op. 16, die 4. Sinfonie op. 13 und der Operneinakter «Die Dickschädel».

Die Handlung – sie spielt in einem böhmischen Dorf in den 1770-er Jahren – ist volksnah und gradlinig. Witwe Ríhová und Witwer Vávra sind sich einig: Ihre Tochter Lenka soll seinen Sohn Toník heiraten. Doch die Jungen weigern sich starrsinnig. Deren Pate Rericha weckt durch eine List die Eifersucht der beiden Dickschädel, die sich nach Irrungen und Wirrungen am Ende aus freien Stücken ihre Liebe gestehen.

Dem leichtfüssig-anekdotischen Einakter (das reimvolle tschechische Libretto stammt von Rechtsanwalt, Notar und Komödienautor Josef Stolba) hat Dvorák eine adäquat unbeschwerte, transparent und farbenreich instrumentierte Musik angepasst, die einnimmt durch formale Klarheit, dem Volkston nahen melodischen Reichtum, belebende Tempowechsel und rhythmische Prägnanz.

Vergnügen bereitet die vorliegende, klanglich gut ausbalancierte Ersteinspielung unter dem erfahrenen Jirí Belohlávek. Die Sängerinnen (Jana Sýkorová, Zdena Kloubová) und Sänger (Roman Janál, Jaroslav Brezina, Gustáv Belácek), der ersten Garde der tschechischen und slowakischen Vokalisten zugehörend, der Philharmonische Chor Prag und die 1994 gegründete Prager Kammerphilharmonie bringen die Partitur mit Sinn für lyrische Stimmung wie für temperamentvolle Situationskomik zu ergötzlicher Wirkung. (ws)

Antonín Dvorák: «Tvrdé palice» / «The Stubborn Lovers». Komische Oper in 1 Akt. Libretto von Josef Stolba. Roman Janál, Jaroslav Brezina, Jana Sýkorová, Zdena Kloubová, Gustáv Belácek. Prager Philharmonischer Chor. Prager Kammerphilharmonie. Leitung: Jirí Belohlávek. (Supraphon SU 3765-2 631; 76’. Ersteinspielung. Mit Booklet und Libretto in vier Sprachen)

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