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«CelloCocktail2» der Berliner Cellharmoniker

17.11.2005 — Arrangements populärer Werke für Celloensemble sind beliebt. In Berlin setzt sich auch schon Mal das ganze Celloregister aus einem berühmten Orchester ab und frönt lustvoll und verspielt dem bauchigen Wohlklang des Instrumentes. Die Idee, ein Ensemble ausschliesslich mit Cellisten zu besetzen, reicht also an und für sich nicht mehr aus, um sich Meriten zu holen. Wer für Celloensembles komponiert oder arrangiert, muss schon über gutes Handwerk verfügen, um sich behaupten zu können. Dies trifft auf die Berliner Cellharmoniker zu. Das Quartett, bestehend aus David Drost, Alexander Kahl, Andreas Kipp und Rouven Schirmer hat es – um auf eine naheliegende Metapher zurückzugreifen – im Griff.

Ihre jüngste Einspielung mit dem Titel «CelloCocktail2» – im Hybridverfahren als CD und SACD für Mehrkanalwiedergabe – bietet hohes Hörvergnügen, und dies eben nicht nur, weil da vier überaus gewitzte Instrumentalisten lustvoll ans Werk gehen, sondern auch, weil die Adaptionen von Genrestücklein aus Jazz und Blues, Bossa Nova und Tango, Filmmusik und europäischer Salonmusik auch musikalisch originell und mit Rafinesse aufs Notenblatt und von dort auf die Saiten gebracht worden sind.

Viele der Stücke auf der CD sind von Andreas Kipp für sich und seine drei Kollegen eingerichtet worden, aber auch die Cellharmoniker Alexander Kahl (Chaplins «Bathtube Nonsense») und Rouven Schirmer (Gerswhins «I Got Rhythm») steuern Übertragungen bei. Ein Höhepunkt des Albums ist aber unzweifelhaft auch Johan de Meys und Alexander Kleins Einrichtung von allbekannten Reissern aus der Zeit der Italowestern («A Moment For Morricone»), die den orchestralen Klang der Filmmusik verblüffend authentisch repliziert.

Raum für Weiterentwicklungen hat das Quartett, wenn es darum geht, lateinamerikanische Traditionen auf seine sechzehn Saiten abzubilden. Tango- und Bossa-Nova-Arrangements mit Ausschnitten aus Ohrwürmern wie dem Jobim-Klassiker «Garota de Ipanema» werden auf dieser CD noch durch die europäische Salontradition weichgespült. Dies mag diejenigen stören, die wissen, dass das Cello gerade in der populären Musik Brasiliens seit jeher eine Sonderrolle gespielt hat (schon Villa-Lobos war ja Cellist) und das Land viele überaus geschickte Arrangeure – allen voran Jaques Morelenbaum – hervorgebracht hat. Aber auch in Sachen Tango haben viele hervorragende Arrangeure den authentischen «Mugre», den Schmutz, welcher dem Stil eigen ist, in neuerer Zeit mit raffinierter Klangkultur zu vereinigen gelernt.

Diesen Einschränkungen zum Trotz kann der zweite Cello-Cocktail des Quartettes allen Liebhabern des Genres wärmstens ans Ohr gelegt werden. Er weckt überdies die Vermutung, dass die vier Herren Live-Auftritte mögen und mit fabulierender Spielfreude zum höchst vergnüglichen Erlebnis machen dürften.

…ach ja: Wer die CD nach Ablauf der regulären Spielzeit nicht gleich ausschaltet, erlebt mit etwas Geduld noch eine hübsche (pentatonische) Überraschung… (wb)

Berliner Cellharmoniker (David Drost, Alexander Kahl, Andreas Kipp, Rouven Schirmer): «CelloCocktail2», mit Werken von W.C.Handy, Duke Ellington, George Gershwin, Emmereich Kalman und anderen. Hybride Superaudio-CD mit wahlweise Stereo- und 5.1-Kanal-Wiedergabe, Ars Produktion, LC 06900, zu beziehen unter www.berliner-cellharmoniker.de.

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