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Frankfurter Musikmesse 2005

11.04.2005 — Eine weitere Frankfurter Musikmesse ist Vergangenheit. Auch die Ausgabe 2005 war ein Anlass der Superlative: Wer auch nur einen kursorischen Überblick gewinnen wollte, musste vor allem über etwas verfügen: gutes Schuhwerk.

Laut Schlussmeldung der Veranstalter verzeichneten die eigentliche Musikmesse und die angeschlossene Fachausstellung «Prolight + Sound» über die vier Tage der offenen Türen 92’720 Besucher aus rund 100 Ländern. Dies entspricht einer leichten Steigerung von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf Ausstellerseite gab es eine Rekordbeteiligung: Insgesamt stellten 2’250 Firmen aus 53 Ländern aus.

Damit der Anlass auch Eventcharakter erhielt, wurden mehrere Preisverleihungen integriert: So die Zuerkennung des Frankfurter Musikpreises an György Ligeti oder die Übergabe des Deutschen Musikinstrumentenpreises für Mandoline und F/B Doppelhorn. Auch der Deutsche Musikverleger-Verband (DMV) nutzte die Gunst der Stunde zur Überreichung seiner Branchenauszeichnungen, die unter dem Etikett «Best Edition 2005» segeln. Nach der Begrüssung durch die DMV-Präsidentin Dagmar Sikorski hielt Manfred Trojahn, Präsident des Deutschen Komponisten-Verbandes, eine pointierte Rede, in der er den Abbau der Kompetenz in Sachen Hochkultur in Medien und Verlagswelt geisselte. Wohlbewusst, dass auch die Musikverleger mehr und mehr dem materiellen Diktat des Marktes ausgeliefert sind, wies er darauf hin, dass diese es nicht mehr vermögen, «Komponisten aufzubauen, wie sie es noch in der Generation der heute 70- bis 80-Jährigen vermocht haben.» Es komme darauf an, meinte er, «durchzuhalten, nicht nur für die Autoren, auch für die Verleger, vor allem für die, die noch nicht in den Schoss eines Mutterkonzerns geflüchtet sind.» Das Zusammenspiel von Autor und Verleger werde nie frei werden von der Prägung unterschiedlicher Interessen, fügte er hinzu. Beider Interessen liessen sich aber nur erfolgreich durchsetzen, wenn der Blick auf das künstlerische Produkt gerichtet bleibe.

Dagmar Sikorski und Peter Hanser-Strecker folgen den Ausführungen Trojahns.

Im Anschluss an Trojahns Mahnworte erinnerte Peter Hanser-Strecker, der Vorsitzende des Fachausschusses für Ernste Musik im DMV, daran, dass die von Trojahn artikulierte Kritik in einem gemeinsamen Gefäss Platz gefunden habe, nämlich in der Initiative «Pro Klassik», in der Komponisten und Verleger gemeinsam das, was vom Komponisten mit Recht kritisch aufgenommen worden sei, aufgriffen und zu ändern versucht werde.

Preise gingen an die Verlage Furore, Schott (3), Stockhausen, Universal Edition, Bärenreiter, Carus (4), Gustav Bosse, Breitkopf&Härtel (2), Edition Dux, AMA und G. Henle. In der Kategorie Musikbücher wurde keine Auszeichnung vergeben.

Die Preisträger der «Best Edition 2005» (Die vollständige Liste findet sich unter www.musikhandel-online.de)

An einer weiteren Veranstaltung beleuchteten Wolfgang Sandner, Musikredaktor bei der «FAZ», Andreas Keller und Norbert Bolin von der Internationalen Bachakademie Stuttgart (IBS) sowie Johannes Graulich vom Carus Verlag Stuttgart die Entstehungsgeschichte und das Konzept der Vervollständigung der c-Moll-Messe Mozarts durch den amerikanischen Musikwissenschaftler und Mozart-Kenner Robert Levin.

Laut Bolin geht die Idee schon ins Jahr 1991 zurück, als Robert Levin im Auftrag der IBS das Requiem des Wiener Meisters neu vervollständigt und den Urtext freigelegt hatte. Die vorzügliche Arbeit, die heute zur Referenzfassung des Werkes geworden ist, lag mit Blick auf das Mozartjahr 2006 die Idee nahe, Levin auch mit der Vervollständigung der c-Moll-Messe zu beauftragen.

Zwei Anfragen in der Sache durch Franz Xaver Ohnesorg von der damaligen Kölner Philharmonie und der Carnegie Hall New York lehnte Levin zunächst ab. Beide Male erklärte er, dass er sich ein derartiges Unternehmen nicht zutraue. Erst nach der weiteren Anfrage des IBS entschied er sich, den Auftrag doch zu übernehmen. Die Initiative der Carnegie Hall ist auch der Grund dafür, dass die Erstaufführung letztlich in New York stattfand.

Einen Blick in die Werkstatt Levins bot Wolfgang Sandner. Er erklärte, dass Levin «mit der früher selbstverständlichen Fähigkeit der Organisten zum Improvisieren» gearbeitet habe: So sei etwa aus einem Kontrasubjekt des Kyrie ein Satz aus 128 Takten, eine Fuge, entstanden. Levin habe dabei über Mozarts Musik improvisiert, wie dies unter Umständen Mozart selbst getan hätte. Daraus sei etwa das Agnus Dei entstanden. Beim Credo und dem Sanctus habe Levin überdies etwas gemacht, was man die Kontrafaktur der Kontrafaktur nennen könne: Mozart verwendete in seiner Kantate «Davide penitente» das Kyrie und das Gloria der c-Moll-Messe mit anderem Text. Levin wiederum habe aus zwei Sätzen des «Davide penitente» Material für die Komplettierung der c-Moll-Messe herausgebrochen.

Erklärungen zur Komplettierung von Mozarts c-Moll-Messe durch Robert Levin (v.l.n.r): Wolfgang Sandner (FAZ), Andreas Keller (Internationale Bachakademie Stuttgart, IBS), Norbert Bolin (IBS), Johannes Graulich (Carus Verlag Stuttgart).

Angesichts der Aussteller- und Besucherzahlen und der Vielfalt des Gebotenen an der Musikmesse ein globales Fazit zu ziehen, ist eine unmögliche Aufgabe. Aufgefallen sein mag dem einen oder andern die starke Präsenz chinesischer Anbieter, vor allem in der Instrumentenfabrikation, und der starke Zuspruch aus den neuen EU-Ländern, die ein ungewöhnlich hohes Besucherkontingent zu stellen schienen. Unter den Anbietern war aber in kritischen Bereichen wie dem Verlagswesen oder den mit Aufwand verbundenen Produktionsbereichen wie dem Klavierbau auch der fortgesetzte Trend zur Grösse mit Hilfe von Fusionen und Übernahmen unübersehbar.

Auf der andern Seite fehlten auch heuer die findigen Köpfe und cleveren Erfinder unter den Kleinanbietern nicht, etwa – um willlkürlich einige herauszugreifen – der italienische Hersteller Pari.e elektromagnetischer Orgeln (www.parieorgan.it ), Musebook, ein koreanische Anbieter von intelligenten Partituren fürs Notenpult in Form eines Tablet-PC ( www.musebook.com ) oder Phecda Enterprise, ein tawianisches Unternehmen, das eine einrollbare Klaviertastatur mit integriertem Midiabspielgerät anbietet (http://www.phecda.com.tw). Der zunächst skeptische Referent überzeugte sich im Selbstversuch von der Funktionstüchtigkeit des «elektronischen Schals», der Arrangeuren, Komponisten und andern im Hotel oder auf Reisen gute Dienste leisten dürfte. Hao Lee von Phecda war allerdings nicht in der Lage, für das Gadget einen Preis zu nennen; man sei, erklärte er gegenüber Codex flores, in Europa noch auf der Suche nach Distributoren oder Händlern. (wb)

Musikmesse Frankfurt 2005, 6. bis 9. April 2005, www.musikmesse.de

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