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«Kind und Kagel» im Musikmuseum Basel

13.01.2006 — Das Musikmuseum des Historischen Museums Basel zeigt eine erste Wechselausstellung: Thema sind die Klangerzeuger für Kinder, die der Komponist Mauricio Kagel 1971 anlässlich des Kölner Kurses für Neue Musik entwickelte.

1971 leitete der argentinischstämmige und seit 1957 in Köln lebende Komponist Mauricio Kagel anlässlich der Kölner Kurse für Neue Musik eine Veranstaltung zum Thema «Kinderinstrumente», die so fantasievolle Klangerzeuger wie die Saugnapfrolle, Klappersandalen oder das Hörspielhäuschen hervorbrachte. Die Kreationen mit den mehr oder weniger selbsterklärenden Namen sollten auch Alternativen zu gängigen pädagogischen Instrumentarien entwerfen.

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Die Weblinks
Musikmuseum Basel:
www.musikmuseum.ch
Paul Sacher Stiftung:
www.paul-sacher-stiftung.ch
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Wie unzählige andere Komponisten des 20. Jahrhunderts vertraut auch Kagel Materialien zu seinem Werk der Basler Paul Sacher Stiftung an. Die Kagel-Bestände der Stiftung sind in den letzten Jahren um eine umfangreiche Sammlung von Instrumenten und Objekten zu den «instrumentalen Theatern» des argentinischen Musikers ergänzt worden.

Aus diesen Kollektionen wählten die Verantwortlichen die Kinderinstrumente für die Ausstellung, weil sie eine relativ handliche und gut abgegrenzte Thematik charakterisieren und sich an ihnen exemplarisch auch interessante Rückschlüsse auf den allgemeinen Umgang Kagels mit Klangerzeugern ziehen lässt.

Wer allerdings meint, dass der Nichteuropäer mit seinen fantasiereichen Neuschöpfungen bloss einen Kontrapunkt zur jahrhundertealten abendländischen Tradition von Instrumentenbau und Pädagogik setzt, muss sich dabei eines Besseren belehren lassen. Theodor Fuchs, Kagels Dirigierlehrer in Buenos Aires, war ein Schüler des legendären Instrumentenkundlers Curt Sachs, bevor er in die Migration gezwungen wurde.

So setzte sich Kagel, der Sachs’ «Real-Lexikon der Musikinstrumente» nach eigenen Worten «aufwühlend» fand, auch intensiv mit Werken wie dem «Gabinetto Armonico» von Filippo Bonanni aus dem 18. Jahrhundert oder dem «Syntagma Musicum» von Michael Praetorius auseinander.

Aus dem «Gabinetto» stammt übrigens die Idee zu den Klappersandalen. Die Inspiration dazu lieferten die sogenannten «Scabelle», die antike Chorführer nutzten, um ihren Sängern den Takt vorzugeben.

Kagel experimentiert gerne mit allen Arten von Instrumenten, auch exotischen oder selbst erfundenen. (Foto: Paul Sacher Stiftung)


Im Grunde genommen ist eine «Ausstellung» der Kinder zugedachten Kreationen allerdings ein Unding, geht es dem argentinischen Avantgardisten doch eben gerade nicht darum, Objekte zu Zwecken der stummen Admiration zu kreieren. Vielmehr zeigt sich Sinn und Zweck der Klangerzeuger erst im Gebrauch.

Dem trägt die auf zwei kleinere Räume verteilte und äusserlich eher unspektakulär anmutende, aber informative Ausstellung Rechnung. Der Besucher wird dazu animiert, das Klangpotential der Kreationen – am klingenden Flipperkasten sogar im Kollektiv – selber zu erforschen und etwas von der Aufbruchstimmung zu spüren, die in dem Kurs von 1971 geherrscht haben dürfte.

Im zweiten, mit weiteren Dokumenten zu Kagels Werk ausstaffierten Raum plädiert der Komponist in einem Video des WDR für die Freiheit der kindlichen Fantasie und den Abschied vom musikalischen «Unteroffiziers-Drill». Dass es sich bei dem Ausstellungsort um eine ehemalige Gefängniszelle handelt, entbehrt da nicht einer gewissen Ironie. Die Szenerie könnte deshalb durchaus selber einem kagelschen Musiktheater entsprungen sein. (wb)

«Kind und Kagel – Mauricio Kagel und seine Kinderinstrumente», Musikmuseum Basel, Im Lohnhof 9, 13. Januar bis 9. Juli, Mittwoch bis Samstag 14 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr, Montag und Dienstag geschlossen. Spezielle Öffnungszeiten an Feiertagen und Fasnacht. Webseite: www.musikmuseum.ch

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