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Klavierwerke von Felix Blumenfeld

27.09.2004 — Als Person von enormer Kultur, Integrität und Offenheit, als einer der grössten kreativen Geister wurde Felix Blumenfeld 1931 in Nachrufen gepriesen. Die Nachwelt vergisst rasch – heute sucht man seinen Namen in den meisten Musiklexika vergeblich. Wie manch anderen Persönlichkeiten ist es Blumenfeld immerhin beschieden, in den Biografien prominent gebliebener Künstler Erwähnung zu finden. Etwa bei Rimski-Korsakow, Heinrich Neuhaus, Wladimir Horowitz.

Felix Michailowitsch Blumenfeld, 1863 in Kovalovka (Ukraine) in eine musikalische Familie mit polnischen Wurzeln geboren – auch seine beiden Brüder Stanislaus und Sigismund liessen sich zu Musikern ausbilden –, studierte am Konservatorium in St. Petersburg Komposition bei Rimski-Korsakow und Klavier bei Alexander Stein. Mit 22 Jahren nahm er im Konservatorium seine Unterrichtstätigkeit auf und wurde 1897 zum Professor befördert. Von 1895 bis 1911 wirkte er zudem als Dirigent am Marinski-Theater. Unter seiner Leitung kam Wagners «Tristan und Isolde» erstmals in Russland zur Wiedergabe. Opern seines ehemaligen Kompositionslehrers brachte er zur Uraufführung («Serwilia», 1902, und «Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch», 1907), ebenfalls setzte er sich für Klavierkompositionen von Zeitgenossen und für sinfonische Werke Skrjabins ein.

1905 trat Blumenfeld aus Protest gegen die Absetzung Rimski-Korsakows nach der brutal zusammengeschossenen Demonstration gegen die Zarenherrschaft («Blutiger Sonntag») von seinem Amt zurück. Erst zwischen 1912 und 1918 lehrte der exzellente Pianist in der Nachfolge Anton Rubinsteins wieder am St. Petersburger Konservatorium. In seiner Freizeit entfaltete der adrette Mann rege Tätigkeit als Partylöwe und Frauenheld; er erkrankte an Syphilis, die später zu teilweisen Lähmungen führte. In den Jahren 1918 bis 1922 war er am Konservatorium in Kiew tätig; Wladimir Horowitz gehörte zur Schar seiner Meisterschüler. Blumenfeld, Mentor von Heinrich Neuhaus, dem Begründer der russischen Pianistenschule, unterrichtete ab 1922 bis zu seinem Tod 1931 am Moskauer Konservatorium.

Mit einer Ausnahme hat sich im Konzertleben nichts erhalten von Felix Blumenfelds über fünfzig Opusnummern. Den Hauptharst machen die Klavierkompositionen aus, deren berühmteste, die Etüde op. 36 für die linke Hand allein, hier und dort in Rezitals noch als effektsicheres Zugabestück zu Ehren kommt.

In seiner jüngsten Einspielung wartet der finnische Pianist Jouni Somero, Jahrgang 1963, ausgebildet in Lausanne und Köln sowie beim Liszt-Spezialisten György Cziffra und bei Michael Ponti, mit lauter Ersteinspielungen – ausgenommen die Konzertetüde op. 24 – von Blumenfeld-Werken auf. Entstanden sind sie zwischen 1883 und 1927, dokumentieren den gefühlvollen, Chopin, Liszt und dem frühen Skrjabin nahen, auf Experimentelles verzichtenden Romantiker, den gewieften Melodiker und den exzellenten Tastenvirtuosen.

Jouni Somero verfügt über eine fulminante, im Anschlag reich diffenzierte Technik, über Kraft, Eleganz und Sensibilität. Er umgeht die lauernden Fallstricke des Salonhaften, gewinnt den Charakterstücken, in denen er die Gegenstimmen zur Diskantmelodie und die rhythmischen Impulse spannungsvoll und in agogischer Freiheit herausarbeitet, Widerstände mit Ecken und Kanten ab, ohne ihre lyrische Qualität zu überspielen. (ws)

Felix Blumenfeld: Piano Works. Etude de concert op. 24; Souvenir douloureux op. 2/2; Deux Nocturnes op. 6; Suite polonaise op. 23; 10 Moments lyriques op. 27; Deux Morceaux op. 37; Danse op. 53/1. Jouni Somero, Klavier. (FC-Records, Kuopio, Finnland, FCRDC-9706; 69’)

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