04.04.2006 — Die Frankfurter Musikmesse 2006 hat mit mehr als 100’000 Besuchern einen Rekord erzielt. Auch mit 1591 Ausstellern – davon 48 aus der Schweiz – sind alle bisherigen Zahlen übertroffen worden. Neben den traditionellen Instrumenten gab es auch interessante Innovationen in Sachen elektronische Klangerzeuger zu bestaunen.
In einfachem Rahmen ging in der Halle der Anbieter von Streichinstrumenten die Verleihung des Deutschen Musikinstrumentenpreises über die Bühne, diesmal für Bratschen und Flöten. Bei der Prüfung am Institut für Musikinstrumentenbau im sächsischen Zwota belegten zwei Bratschen praktisch punktegleich den Spitzenplatz, weshalb in dieser Kategorie zwei erste Preise ausgelobt wurden. Das Modell «Gofriller» der Meisterwerkstätte für Geigenbau Georg Gerl aus Bichl ist laut Jury «angenehm zu spielen». Es «weist einen schönen Ton auf und ist im Klang ausgewogen und vielseitig in der Klangvariabilität». Auch das Aussehen fand besonderes Gefallen. Die akustisch sehr gute Bewertung basierte vor allem auf «der tiefen Abstimmung der Hohlraumresonanz, der Ausgeglichenheit des Klanges, der geringen Nasalität und dem insgesamt sehr hohen Wirkungsgrad».
| Der Bratschist Bernhard Oll mit den beiden prämierten Instrumenten «Gofriller» und «Viola asymmetrisch Modell aK», die er an der Preisverleihung auch erklingen liess. |
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Die Bratsche «Viola asymmetrisch Modell aK» des Geigenbaumeisters Gerhard Klier aus Neunkirchen a. Brand wiederum überzeugte die Jury vor allem durch die asymmetrische Bauweise, die sie «vom Spielgefühl als kleines Instrument mit grossem Klang erscheinen lässt». Die hohen Lagen lassen sich wie bei einem kleinen Instrument gut greifen, ohne dass beim Klangvolumen Abstriche gemacht werden müssten. Trotz der Asymmetrie, so die Jury, sei das Erscheinungsbild des Instrumentes sehr ansprechend. Hinsichtlich der akustischen Bewertung zeichne das Instrument neben einer vorteilhaft tiefen Abstimmung insbesondere die Ausgeglichenheit und eine kräftige Schallabstrahlung aus.
Die prämierte Querflöte der Firma Bernhard Hammig aus Lahr belegte in allen drei Bewertungskategorien den ersten Rang, wobei der Abstand in der subjektiven und objektiven Beurteilung zu dem jeweils folgendem Instrument sehr deutlich ausfiel. Der Jury gefiel, dass das Instrument, das gut und schnell anspricht und insgesamt sehr leicht spielbar ist, Ringklappen aufweist. Als sehr gelungen wurde überdies die Intonation bezeichnet, insbesondere auch im Problembereich c–c# und in der dritten Oktave. Das Instrument weise eine gute, schnelle Ansprache auf und sei insgesamt sehr leicht spielbar, so die Bewertung der Jury.
Ein neuartiges Midi-Instrument aus dem Ircam
Ganz andere Töne als bei der Verleihung des Preises für Traditionsinstrumente wurden an der Vorstellung von «Carl» angeschlagen. Das neuartige elektronische Instrument ist eine Entwicklung des französischen Unternehmens Da Fact in Zusammenarbeit mit dem Pariser Ircam. Das von Pierre Boulez gegründete Institut war an der Messe zudem selber vertreten und warb für seine Eigenentwicklungen wie die Raumklangsoftware Spat oder das Morphing-Programm Diphone Studio.
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Die Neuentwicklung «Carl» der französischen Firma Da Fact erlaubt eine differenzierte, intuitive und gestische Kontrolle von Midi-Instrumenten. |
Carl, das vorerst nur in Form eines Prototyps vorliegt, sieht aus wie ein Blasinstrument, ist aber ein Midi-Controller, der dem Benutzer ein möglichst intuitives und gestisch bestimmtes Spiel erlauben soll. Die Kontrollsignale können mit einer Auflösung von bis zu 12 Bit (der normale Midi-Standard nutzt 7) über eine Drahtlosverbindung zum kontrollierten Instrument übermittelt werden. Strategisch platziert sind sechs Switches, die Hände liegen über Steuerungen, eine klappen- und eine direkt davor liegende knopfartige, die es möglich machen, simultan zwei Parameter pro Finger zu kontrollieren. Zudem ist Carl in der Mitte mit einem Drehmechanismus versehen, der ein weiteres Steuerelement darstellt.
Zunehmend intuitives Arbeiten mit Soft- und Hardware
Damit liegt Da Fact sicherlich im Trend, denn die Zeiten, in denen die Musiker von Computer und Software an sich fasziniert waren und alles möglichst technisch daherkommen musste, sind vorbei. Nun scheint sich vielmehr das Bedürfnis durchzusetzen, sich aufs Musizieren und die schnelle und effiziente Produktion konzentrieren zu können.
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An Stand von Native Instruments demonstrierten Livemusiker den Umgang mit der neuen Softwareplattform Kore. |
Dem tragen auch die Softwarehersteller Rechnung, die ganz auf den Massenmarkt zielen (soweit man in Sachen Musikproduktion von einem solchen sprechen kann).
Ein Beispiel dafür ist die integrierte Hardware- und Software-Plattform Kore, welche die deutsche Softwareschmiede Native Instruments erstmals präsentierte. Dabei handelt es sich um eine Art logistisches Zentrum für Studio und Liveauftritte auf Basis der VST-Schnittstelle, das Instrumente und Effekte verwaltet und eine umfangreiche Sounddatenbank sowie einen Hardware-Controller intergriert. Kore ist ab Anfang Mai erhältlich.
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Auch in Sachen virtueller Sinfonik drängt alles in Richtung des natürlicheren Ausdrucks. Dies zeigte etwa die Präsentation der Sample-Bibliothek Vienna Symphonic Library, deren Instrumente mit Hilfe von Breath-Controllern, schnellen Switches zwischen verschiedenen Spielarten und individuellen Samples für schnelles und langsames Spiel mittlerweile so flüssig gespielt werden können, dass tatsächlich ein verblüffend natürlicher Eindruck entsteht. (wb)


