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Omara Portuondo: «Flor de Amor»

01.06.2004 — Mit siebzig wurde sie weltbekannt: Die kubanische Sängerin Omara Portuondo war die einzige Frau im Männerteam des «Buena Vista Social Club», dem Album und dem Film. 2000 folgte ihre erste Solo-CD; in ihrem zweiten für das Label World Circuit produzierten Album beschwört sie die Liebe in vielen Facetten.

«Flor de Amor», den Blumenstrauss von Liebeserklärungen, widmet sie ihrer Kollegin Celina González, der grossen Interpretin der kubanischen ländlichen Musik, der sie ihren internationalen Durchbruch verdankt: Celina González mochte sich nicht am «Buena Vista Social Club» beteiligen, Omara wurde aufgeboten und machte Furore im tränenfeuchten Bolero-Duo «Silencio» mit Ibrahim Ferrer.

Omara Portuondo, die Mitte der Vierzigerjahre als Tänzerin und Choristin in Havannas «Tropicana»-Club ihre Karriere begann, hat sich einen prominenten Platz im Olymp der afrokubanischen Musik gesichert. Doch die mittlerweile 74-Jährige, deren erste Soloplatte im Revolutionsjahr 1959 herauskam und die trotz allen Widerwärtigkeiten ihrer Heimat treu geblieben ist, macht es sich nicht bequem auf wohlverdienten Lorbeeren. Sie beweist ihre Entdeckungsfreude auf ihrem neuen Album «Flor de Amor» durch rurale Sones und Boleros von Meistern aus den Zwanziger- bis Sechzigerjahren, aber auch – erstmals – durch eine brasilianische Bossa: Der Perkussionist Carlinhos Brown schrieb für Omara «Casa Calor».

«La Diva» hat illustre Instrumentalisten um sich geschart, die einen, wie Manuel Galbán (Gitarre), Barbarito Torres (Laud), Jesús Aguaje Ramos (Posaune), Amadito Valdés (Timbales), Miguel Angá Diaz (Congas), Orlando Cachaíto López (Bass) bewährte Sozialklubmänner des «Buena Vista», die anderen Nachwuchskräfte mit klingenden Namen, darunter auch Brasilianer: Swami Jr (Gitarre), Polo Tamayo (Flöte), Nicholas Bucknall und Philip Todd (Klarinette), Roberto Fonseca (Piano), Marcos Suzano (Percussion).

Demetrio Muñiz, Alê Siqueira und Swami Jr haben die vierzehn alterslosen Bilder der Liebe und der Sehnsucht geschmeidig arrangiert mit grelle Effekte meidenden instrumentalen Farben (keine Blechbläsergruppe, Charanga-Besetzung mit Streichern und Flöte, dezente Rhythmussektion, mezza voce säuselnde Backvocals). Selbst mit acht Violinen, vier Bratschen und zwei Celli, drei Gitarren, Klavier, Perkussion, Theremin (!) und Chor üppig besetzte Stücke wirken – dank dem Können der Musiker (etliche brillieren mit Soli) und der Aufnahmetechniker – transparent und locker.

Omara Portuondo ist nicht auf opulente Begleitung angewiesen. Ihre im Ausdruck introvertierte, dynamisch nie weit expandierende Stimme und ihre subtile Kunst, sinnliche Atmosphäre zu schaffen, bringt sie eindringlich zur Wirkung in nur von Papi Oviedos Tres begleiteter «Amorosa guajira».

Die jung gebliebene alte Dame kündet beschwörend, preisend, leidend, triumphierend von der Liebe – auch jener zu Yoruba-Gottheiten, zu Kuba und Havanna – und von der Leidenschaft und der Hoffnung. Doch nicht mit dem quirligen Elan ihrer Bühnenpräsenz, den heissblütigen Rhythmen, der Glut der frühen Jahre, vielmehr wie aus milder Erinnerung in der Art von Selbstgesprächen, oft mit leiser Wehmut, im Wissen um die Vergänglichkeit allen Glücks, immer gefasst, elegant, charmant. (ws)

Omara Portuondo: «Omara Portuondo: «Flor de Amor»». (World Circuit WCD 068; 49’. Booklet mit den gesungenen Texten und englischer Übersetzung)

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