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Orchestra della Svizzera Italiana in Zürich

23.01.2011 — Man kennt sich: Die junge Hornistin Zora Slokar, die das Konzert der dritten Tournee der Migros Kulturprozent Classics mit dem Orchestra della Svizzera Italiana (OSI) in der Zürcher Tonhalle eröffnete, ist selber Mitglied des Ensembles. Entsprechend harmonisch fügen sich Kollektiv und Solistin zu einem Ganzen – fast schon zu harmonisch, ist man versucht zu sagen, denn das Tessiner Orchester pflegte in der Wiedergabe des zweiten Hornkonzertes des Salzburger Meisters einen geglätteten, eher konventionellen Mozart-Stil.

Da blieben denn die – vor allem im dritten Satz – schalkhaften bis frechen Momente wie die Stop-and-Go-Generalpausen mit Fortepiani oder die vorwitzigen Vorschlag-Ketten in den Violinen eher unterverkauft. Die Solistin spielte auch die Kadenz in dem Satz nicht wirklich aus. Alles in allem hörte man da eine gefällige, klangschöne, in den Streichern seidige und kompakte Wiedergabe, die aber eher vom einem Bedürfnis geprägt war: vor allem keine Risiken einzugehen.

Dabei darf nicht vergessen gehen, dass das traditionsreiche Orchester, das seine Existenz zur Zeit unverständlicherweise finanziell rechtfertigen muss, mit einem Acht-Millionen-Budget wirklich Erstaunliches leistet. Klanglich wirkt es ausgewogen, in den einzelnen Registern exzellent besetzt und wendig-kultiviert.

In der Wiedergabe von Beethovens siebter Sinfonie erwies es sich unter der Leitung des Kolumbianers Andrés Orozco-Estrada als spielfreudiger, kompakter Klangkörper, der nicht die Schärfen des historisch-informierten Musizierens anstrebt (mittlerweile hat man eher die knalligen Pauken und Naturhörner neuerer Aufnahmen im Ohr als die geschmeidigen Texturen, die das OSI aus dem 20. Jahrhundert tradiert). Man lässt sich aber auch von dieser Lesart des Bonner Klassikers gerne packen und mitreissen.

Den reichen und herzlichen Applaus verdankte das Ensemble mit der Ouvertüre zu Mozarts Oper «Le nozze di Figaro» – in gewisser Hinsicht ein gelungener Rückverweis auf das Hornkonzert, in dem im ersten Satz Motive einer späteren «Figaro»-Arie angelegt sind.

Dazwischen gesellte sich der Geiger Vadim Repin zum OSI, als Solist des überaus populären Violinkonzertes von Tschaikowsky. Auch er wagte sich kaum auf neue Pfade. Er scheute weder gelegentliche Portamenti noch manchmal etwas grosszügig-pauschales Durcheilen des Laufwerkes, fand aber hier und da auch zu intensiven, expressiven Momenten des Gleichklanges mit dem sensibel mitgehenden Orchester.

Als Zugabe servierte Repin Paganinis virtuos durch Pizzicato- und Sechzehntelmühlen gedrehten «Karneval von Venedig», ein Kabinettstücklein, in dem die spieltechnische Disziplin dann allerdings vollständig auf der Strecke blieb. Dem lebhaften Zuspruch des Publikums tat das allerdings keinen Abbruch – und dessen Urteil zählt ja letztlich. (wb)

Orchestra della Svizzera Italiana, Andrés Orozco-Estrada (Leitung), Vadim Repin (Violine), Zora Slokar (Horn), Mozart: 2. Hornkonzert KV 417, Tschaikowsky: Violinkonzert D-Dur, op. 35, Beethoven: 7. Sinfonie op. 92. Tonhalle Zürich, Grosser Saal, Freitag, 21. Januar 2011.

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