23.12.2003 — Zeiten und Kulturen enthobene, meditative und asketisch anmutende Musik in einem makellos mitschwingenden Raum: In «Sacred Space – Sacred Sound» bringt Christoph Haas Klang und Architektur, Mass, Ordnung und Harmonie zu beeindruckender Hörerfahrung.
Der 1953 geborene Stuttgarter Komponist und Improvisator, der seit den Achtzigerjahren und in Studienreisen nach Westafrika, Lateinamerika und Südindien die grossen Rhythmuskulturen studierte und als Soloperkussionist, Lehrer und durch CD-Aufnahmen international bekannt geworden ist, hat als Ort seiner jüngsten Einspielung die in Anlehnung an San Carlo in Mailand erbaute und 1867 geweihte Chiesa Rotonda von San Bernardino im Schweizer Kanton Graubünden gewählt, einen von Palladio inspirierten hohen Kuppelrundbau mit pythagoreischen Zahlenverhältnissen und akustischen Qualitäten, die den Klang verstärken und ausschwingen lassen.
Mit einem reichen Instrumentarium, darunter Tambura (indische Langhalslaute), Röhrenglocken, Berimbao (Musikbogen), Rahmentrommeln, Klangschalen und Gong, erforscht Haas die Beziehungen zwischen architektonischen und musikalischen Proportionen. In nach und nach sich umformenden Klängen, irisierenden Farben und schwerelosen Obertönen sowie in pulsierenden, oft polyrhythmischen Entwicklungen macht er harmonikale Proportionen des Kirchenrundbaus und mittelalterliche Zahlensymbolik wirkungsvoll hörbar.
Zu sinnlichen Raum- und Klang-Erkundungen werden auch die Improvisationen des frühchristlichen Hymnus «Lux et dies» und Hildegard von Bingens Antiphon «O choruscans lux stellarum» durch die Sopranistin Stephanie Haas. (ws)
Sacred Space – Sacred Sound. Christoph Haas und Stephanie Haas. (Animato ACD 6068; 55’)