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Till Fellners Selbstgespräche

04.04.2004 — Nein, er ist kein Blender, kein Auftrumpfer, auch kein Zelebrant, dieser Bach-Interpret. Till Fellner, 1972 in Wien geboren, ausgezeichnet mit dem Clara-Haskil-Preis Luzern (1993) und dem Mozart-Interpretationspreis der Mozartgemeinde Wien (1998), biedert sich nicht an bei seinem Publikum, überfährt es nicht mit furiosem Gestus. Vielmehr fordert er Hörbereitschaft, stellt höchste Ansprüche an die Konzentration.

Am Salzburger Festival 2000 stellte er seine Interpretation von Teil I des Wohltemperierten Klaviers vor; zwei Jahre später hat er die 24 Präludien und Fugen für das Nobel-Label ECM eingespielt; nun liegt das CD-Doppelalbum vor.

Für Fellner ist das Klavier kein Perkussionsinstrument. Er bringt dank einer Fülle von Artikulationsnüancen und einer breiten Anschlagspalette beider Hände vom substanziellen Pianissimo und Piano (das über weite Strecken vorherrscht) bis zum kernigen Forte, vom strengen Legato bis zum akzentuierten Staccato, vom luftigen Jeu perlé bis zum strengen Tenuto die kantable Eigenschaft des Flügels zur Wirkung. Die so ermöglichte Expressivität (zuweilen klanglich gefärbt durch das Haltepedal) gibt jedem Präludium, jeder Fuge einen eigenen Charakter, eine eigene Ausstrahlung fern von Etüdenhaftem oder Dozierendem.

Das Wohltemperierte Klavier ist für Till Fellner kein opulentes Konzertwerk, mit dem man sein Publikum in Bann zwingen muss. Aus innerer Ruhe meditiert er interpretierend über Bachs Musik mit Klarheit im Denken und Tiefe im Erleben, ergreifend – erschliessend. (ws)

J. S. Bach: Das wohltemperierte Klavier…, Buch I. BWV 846–869. Till Fellner. (ECM New Series 1853/54, 2 CDs; 1h57’)

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