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Bach-Violinsonaten mit Harfe als Continuo

06.06.2012 — Bach-Sonaten mit Harfe als Continuo-Instrument. Hört man ja nicht gerade alle Tage. Obwohl die Harfe durchaus auch ein Barockinstrument ist und mit Gewinn als Alternative zum Cembalo oder der Laute eingesetzt werden kann. Wie man das «historisch-informiert» tun kann, demonstrieren etwa der Tenor Felix Rienth und der Barockharfenist Manuel Vilas (siehe Codex-flores-Rezension). Die Geigerin Lara St.John und die Harfenistin Marie-Pierre Langlamet legen nun eben ein Album mit Bachsonaten in dieser Besetzung vor.

Es finden sich darauf die Violinsonaten Nr. 1 in h-Moll BWV 1014 und Nr. 3 in E-Dur BWV 1016 sowie die Flötensonaten BWV 1020, 1030 und das Siciliano aus BWV 103 mit teils unklarer Zuweisung an den Komponisten. Es geht den beiden offenbar um die musikalische Substanz und nicht um besetzungstechnische Orthodoxie oder gesicherte Autorschaft – in Sachen barocker Kammermusik sind solche fixe Werkbegriffe eh’ schwer durchzuhalten.

In der Interpretation der beiden Musikerinnen tönt Bach überraschend galant und intim-poetisch und damit eher quer zu gängigen Mustern des historisch-informierten Musizierens, das sich bemüht, Barockmusik möglichst prall, frech und kantig tönen zu lassen, um sie dem vom grossen klassisch-romantischen Orchester verwöhnten Publikum anzudienen.

Dabei hat die Harfe, verglichen mit dem Cembalo, weitaus differenziertere Möglichkeiten des Anschlages (respektive -zupfens) und ein transparenteres Klangbild. Damit spielt Marie-Pierre Langlamet, die auch schon als stellvertretende Soloharfenistin des Orchesters der New Yorker Met amtete, souverän und geschmackssicher. Lara St.John bringt ihre Geige fein, fast flötenähnlich zum Singen. Beinahe wähnt man sich im empfindsamen Salon, in dem die Bachsöhne – allen voran Carl Philipp Emanuel – Heimat fanden. Bachs Musik wirkt da, für seine Zeit, schon fast avantgardistisch.

Erschienen ist das Album auf Lara St. Johns eigenem Label Ancalagon. Die profilierte Künstlerin steht damit für das Selbstverständnis einer neuen Generation von Geigerinnen – dazu gehören etwa auch Hilary Hahn oder Patricia Kopatchinskaja – die sich nicht mehr bloss widerstandslos in die Routine des globalen Konzertzirkusses einfügen wollen und ihre eigenen Ästhetiken entwickeln. Das ist gut so.

Das Cover der CD ist übrigens auch nicht von schlechten Eltern. Statt der grassierenden 0815-PR-Werbefotografie im Luxusmarkenstil ein Bild, das vielfältige Assoziationen weckt und auch der Musik etwas Geheimnisvolles und Hintergründiges zu geben scheint. (cf)

Bach Sonatas. Lara St.John (Violine), Marie-Pierre Langlamet (Harfe). Ancalagon, ANC 139.

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