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Daniel Hope: The Romantic Violonist

18.03.2011 — Orchesterwerke, Kammermusikwerke, Lieder auf einer CD – das ist zumindest ungewöhnlich, auch wenn Konzept-Alben heute en vogue sind (man denke etwa an die aktuelle Scherbe Resonances der Pianistin Hélène Grimaud). Der Geiger Daniel Hope brennt Werke von Bruch, Clara Schumann, Brahms, Joseph Joachim, Schubert und Dvořák ins Polycarbonat, wir fühlen uns also durchweg romantisch. Wir lösen auf: Das Ganze ist ein Tribut an den Geiger Joseph Joachim, der in seiner Bedeutung für die Epoche unterschätzt werde – meint Hope – als Solist, der Werken wie Beethovens und Brahms’ Violinkonzert zum Durchbruch verhalf, als künstlerischer Berater, der etwa den Solopart des Violinkonzertes von Max Bruch mitgeschrieben hat, aber auch selber als Komponist und als Inspirationsquelle zahlreicher Schlüsselwerke der Epoche.

Gegenüber diesem Hans-Dampf-in-allen-Gassen mit ungarischen Wurzeln und wenig Berührungsängsten, wenn’s um den geschmacklich sicheren Herzschmerz geht, haben auch die Interpreten dieser CD keine Scheu. Das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra steht unter der Leitung Sakari Oramos Hope in nichts nach, geht es darum, Romantisches auch romantisch klingen zu lassen, glutvoll und beseelt. Dem Solisten, der nicht den glatten, feinen und präzisen Klang sucht, sondern auch das Rohe kochen lässt, ist es in der interpretatorischen Disziplin in Sachen Dynamik und Phrasierung noch einen Tick voraus; es gibt ihm damit genau den Halt, den er braucht, um sich frei spielen zu können.

Zwei Ungarische Tänze von Brahms, die Nrn. 1 und 5 werden hier in der Orchestrierung von Marc-Olivier Dupin nicht abstrakt oder erhöht, sie massieren die waschechte Csárdas-Seele. Für das Geistliche Wiegenlied op. 91, Nr. 2 von Brahms greift Hope zur Viola, und zu ihm gesellt sich die Mezzosopranistin Sofie von Otter. Man versteht zwar kaum, was sie singt, zu Herzen geht das Kleinod aber auch so. Schuberts Lied «Auf dem Wasser zu singen» D 774 hat Hope für die CD selber für Klavier und Violine eingerichtet.

Abgeschlossen wir der Reigen seliger Geister von Dvořáks Kuschelklassik-Hit Humoreske, in einem Arrangement von Franz Waxman, das appellative Platitüden vermeidet. Man schliesst besonders das klavierähnliche Ding ins Herz, das da im Hintergrund ab und an vor sich hin perlt.

Eher diskret bleibt die Widmung Hopes. Er erinnert mit der CD an den 2010 mit 37 Jahren verstorbenen Kollegen Erik Houston, den das Schweizer Publikum vor allem dank einer denkwürdigen Interpretation von Schnittkes Concerto Grosso am Lucerne Festival in Erinnerung hat und der auch am Menuhin Festival Gstaad regelmässiger Gast war. Der Tribut ist stimmig: Denn auch wenn diese Musik zu Herzen geht – die romantischen Topoi von Vergänglichkeit, Tragik und Tod schwingen da immer mit. Ein wunderbares Album. (wb)

Daniel Hope: The Romantic Violinist – A Celebration of Joseph Joachim. Max Bruch: Violinkonzert No.1 in g-Moll, Op.26; Clara Schumann: Romanza Op.22 Nr.1; Johannes Brahms: Scherzo in c-Moll für Geige und Klavier (aus der FAE-Sonata), Ungarische Tänze Nr.1 und 5, Geistliches Wiegenlied op.91 Nr.2; Joseph Joachim: Romanze Op.2, Nr.1, Notturno op.12; Franz Schubert: Auf dem Wasser zu singen D774; Antonin Dvořák: Humoreske op.101, Nr.7. Daniel Hope (Violine), Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Sakari Oramo (Leitung), Sebastian Knauer (Klavier), Bengt Forsberg (Klavier), Anne-Sofie von Otter (Mezzosopran). Deutsche Grammophon/Universal, Best.-Nr. 477 9301.

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