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David Philip Heftis «Sator»

02.02.2007 — Der 1975 geborene David Philip Hefti ist Vertreter einer Generation junger Komponisten, die wie selbstverständlich über eine Vielzahl kompositorischer und formaler Mittel verfügen und diese auch unverkrampft und unideologisch zu nutzen verstehen – seien es Zwölftonverfahren, Collage, Klangzerlegungen, repetitive Muster, Zentraltontechnik, Zitate, postmoderne Stilmischungen oder gar postromantisches Expressivo. Hefti hat daraus eine farbige, klanglich und melodisch reichhaltige und packende Tonsprache entwickelt, die auch in grösseren Formen schlüssig wirkt.

Bei aller Klangsinnlichkeit und Expressivität schimmert in seiner Musik aber immer wieder durch, dass sein ästhetisches Credo letztlich in den konstruktiven und spekulativen Strömungen der abendländischen Kunstmusik zu finden ist. Darauf weisen nicht zuletzt die zahlreichen Querverbindungen zur Musik Bachs hin: In «Diarium» für Violine solo aus dem Jahr 1999, in die mit dem Satz «Quae regula» auch ein veritables musikalisches Rätsel hineingeheimnisst worden ist – zitiert er im Finale den Choral «Komm süsser Tod» und erinnert damit an einen im Geiste zweifelsohne Verwandten, nämlich Alban Berg, der in seinem Violinkonzert gegen Ende mit «Es ist genug» ebenfalls einen an den Tod gemahnenden Bach-Choral erklingen lässt. Im Schlusssatz des Klarinettenkonzertes «Sator» (2002) erklingt das h-Moll-Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier als Klangfarbenmelodie, in einer Technik also, der Bergs Lehrer Schönberg seine Aufmerksamkeit zuwandte.

«Sator» ist aber auch ein Stichwort, das den konstruktiven Aspekt von Heftis Musik noch detaillierter charakterisiert. Das Wort, dessen Buchstaben im Solostück «O, star!» (2003) für Klarinette anders angeordnet sind, kennen Lateiner bestens aus dem vielfach symmetrischen Sinnspruch:

S A T O R
A R E P O
T E N E T
O P E R A
R O T A S


(«Sator Arepo tenet opera rotas» heisst etwa soviel wie «Der Sämann Arepo hält das Werk im Umlauf»). Dies wiederum verweist auch auf Albrecht Dürers rätselhaften Kupferstich «Melencolia», auf dem eine Fülle höchst geheimnisvoller und andeutungsreicher Objekte versammelt sind, darunter eben auch ein magisches Quadrat, dessen Hang zur Symmetrie in dem Sator-Quadrat ebenfalls anklingt.

Inspiriert von Dürers Bild ist Heftis «Melencolia I» (2004) für Flöte, Schlagzeug und Klavier, das angesichts der hermetischen Symbolhaftigkeit des Stiches eine schon fast simpel anmutende klangliche Beschreibung von Überarbeitung und Überspanntheit darstellt. Sie mündet in abgrundteife Melancholie (heute würde man das neudeutsch als «Burn out» bezeichnen), die in Heftis Klangkosmos nicht minder suggestiv ausfällt.

Der Komponist hat, was für derartige Musik ja schon sehr ungewöhnlich ist, das Glück, «Diarium» und «Sator» gleich zweimal auf CD gebrannt zu sehen (repektive zu hören). Auf einer früheren CD – sie kann wie die vorliegende über Heftis Webseite bestellt werden – ist neben den beiden Werken Kurt Weills Violinkonzert zu hören. Die «Sator»-Aufnahme der vorliegenden CD ist identisch mit derjenigen der früheren Einspielung, des Live-Mitschnitts eines Konzertes an der Musikhochschule Zürich vom 28. März 2003. «Diarium» ist von Stefan Tönz hingegen zweimal eingespielt worden: Am erwähnten Konzert und zwei Jahre später in der alten reformierten Kirche Zürich–Witikon. Letztere Aufnahme findet sich auf der hier besprochenen Silberscheibe. (wb)

David Philip Hefti: Sator. Stefan Tönz (Violine), Valentin Wandeler (Klarinette), Philippe Racine (Flöte), Matthias Würsch (Schlagzeug), Oliver Schnyder (Klavier), Zürcher Kammerensemble und Mitglieder des collegium novum zürich, David Philip Hefti (Leitung), Telos Music Records TLS 125. Bezugsquelle: http://www.davidphiliphefti.com

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