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«Der Blick ins musikalische Hirn»

«Der Blick ins musikalische Hirn»
Besprechung vom 12.05.2005

In Ihrem Artikel schreiben Sie «Angesichts derartiger Demontagen und fehlender Rahmentheorien erstaunt es, dass die ansonsten durchaus skrupulösen Forscherinnen und Forscher der Hirngilde Einzelbefunde – selbst nie von Peers replizierte – immer wieder als grosse Durchbrüche feiern.»

Ich möchte dazu sagen, dass es sehr wohl eine Vielzahl von Studien gibt, die oftmals repliziert wurden, und deren Ergebnisse immer wieder in ähnlicher Form berichtet werden. Zum Beispiel haben wir in unserer Gruppe untersucht, wie das Gehirn musik-syntaktisch irreguläre Akkorde verarbeitet, und der hirnelektrische Effekt (die ERAN) wurde mittlerweile in einer Vielzahl von Studien repliziert. Auch die Beteiligung bestimmter frontaler Hirnregionen an der Generierung dieses Effektes haben wir in einer Reihe von Studien repliziert.

Ähnlich ist es zum Beispiel mit Studien zum auditorischen sensorischen Gedächtnis (die MMN, die Operationen dieses Gedächtnisses reflektiert, ist eines der meistberichteten Hirnpotentiale überhaupt), oder zum Arbeitsgedächtnis.

Natürlich ist es so, dass immer wieder Ergebnisse auch korrigiert werden, mal mehr und mal weniger, das ist ja auch genau das, was Forschung ausmacht. Dass im Bereich der Neurokognition der Musik Befunde so offenherzig korrigiert werden, spricht eher für die geistige Orientierung der Wissenschaftler/innen in diesem Feld, weniger für etwa besondere Inkonsistenz der Befunde!

 
  Stefan Koelsch, Ph.D.
Leiter der Selbständigen Nachwuchsgruppe «Neurokognition der Musik» am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leizpig, Deutschland

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