11.07.2010 — Ende 1992 schenkte Monsieur Gaumy der Bibliothek der für ihr Porzellan berühmten Stadt Limoges ein Notenmanuskript, das einst wohl in den Archiven eines Schlosses der Umgebung aufbewahrt worden war. Geschrieben wurde dieses «Manuscrit de Limoges» um 1720 mit der Feder eines unbekannt gebliebenen Kopisten, der 51 Werke für Orgel in akkurater Kalligrafie vermutlich für den Eigengebrauch notiert hat.
Aus dieser Sammlung, auch als «Livre d’orgue de Limoges» bezeichnet, interpretiert der Schweizer Organist Albert Bolliger in seiner jüngsten Einspielung sechs Stücke anonymer Komponisten sowie zwei von André Raison und sieben von Gaspard Corrette.
Ebenfalls spät gedruckt, erst 2003, wurde eine Sammlung von Orgelwerken des vor allem mit Cembalo-Suiten berühmt gewordenen Louis Couperin, einem Onkel von François Couperin «le Grand». Gross war, nebenbei bemerkt, auch Louis Couperin. Aus dessen Schaffen hat Bolliger, wie bereits in früheren Aufnahmen seiner Reihe mit historischen Orgeln in Frankreich, einige Stücke ausgewählt, darunter die Chaconne in F-Dur, in der am Schluss der imposante tiefste Ton der Orgel erklingt, die Extension auf dem Kontra-F.
Breite Kenntnisse und Erfahrung im Umgang mit historischen Orgeln (samt ihren Tücken) und der Musik des «grand siècle» dokumentiert Albert Bolliger mit französischem Gusto zudem in Stücken von Jean-François Dandrieu und François d’Agincourt wie auch durch seine fundierten Erläuterungen im dreisprachigen, farbig illustrierten Booklet. Dass der Tonmeister Viggo Mangor auch das Spiel auf den Manualen meistert, beweist er in einem Quatuor, in dem er Bolliger zur Hand geht.
Das imposante Instrument der Kathedrale Saint-Sacerdos in Sarlat-la-Canéda (Aquitanien, Département Dordogne) musste bis zur durchgreifenden Restaurierung (2001–2005) einige Veränderungen und Umbauten über sich ergehen lassen. Mit ihren vier Manualen, Pedal und auf 35 Register aufgeteilten 2580 Pfeifen ist die Orgel, die über achtzig Prozent des originalen Pfeifenmaterials aufweist, das besterhaltene Instrument des südfranzösischen Orgelbauers Jean-François L’Épine – es ist sein erstes grosses Werk; über dreissig weitere folgten. Sein Lehrmeister Dom Bedos (neben seinem Vater François) rühmte das 1752 fertiggestellte Instrument des Sieur L’Épine. Dieser war gerade zwanzigjährig geworden… (ws)
Orgues historiques de France. Vol. 8. Albert Bolliger an der Orgel der Cathédrale Saint-Sacerdos in Sarlat-la-Canéda. (Sinus 3008; 60’)