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Erik Satie: Das Klavierwerk

30.03.2008 — Das Wenige, das von Erik Satie im Konzertleben unserer Tage lebendig geblieben ist, wird überstrahlt von den Klavierwerken. Viele haben sie im Ohr, die langsam schreitenden asketischen oder brahmsisch vollgriffigen Akkorde und die zarten schwebenden Melodien der Gymnopédies, der Gnossiennes, der Sarabandes, der Pièces froides, ohne den Namen des Komponisten zu kennen.

Weit herum bekannt wurde Satie durch den Skandal, den die Uraufführung seines Balletts «Parade» 1917 in Paris erregte; auf seiner Seite hatte er immerhin Kollegen wie Cocteau (Handlung), Picasso (Bühnenbild), Massine (Choreografie) und Ansermet (musikalische Leitung). Vielgeschmäht und belacht als kurioser Kauz wurde Erik Satie (1866–1925), doch auch erkannt und anerkannt als Bannerträger eines neuen Geistes, eines künstlerischen Aufbruchs am Fin de siècle und zu Anfang des 20. Jahrhunderts in einer von Erneuerung und Umwälzung geprägten Epoche.

Der ehemalige 2. Pianist des Pariser Künstlercabarets «Le Chat Noir», der nach eigener Aussage mehr gelernt hat von Malern als von Musikern, beeinflusste mit seinem Werk, aber auch mit seinem exzentrisch skurrilen Humor etliche Zeitgenossen und Nachkommen. Man denke nur an seinen 1893 komponierten monumentalen Klavierzyklus «Vexations», der 1963 in New York erstmals zum Erklingen gebracht wurde – auf Initiative von John Cage.

Die in Turin geborene Pianistin (und Malerin) Cristina Ariagno hat es unternommen, Saties Klavierœuvre integral einzuspielen. Sie gruppierte die Werke in sechs Rezitals, jedes einzelne einem anderen Thema, einem anderen Aspekt des Denkens und des Komponierens gewidmet. Eine der CDs vermittelt mit 42 Versionen einen plastischen Eindruck der «Vexations». (Die von Satie gewünschten 840 Repetitionen des Themas in zwei Harmonisierungen ergäben eine Aufführungsdauer von 12 bis 24 Stunden.)

Cristina Ariagno verfügt nicht nur über die ausgefeilten pianistischen Mittel, um die Anforderungen der Partituren umzusetzen, sondern auch über das Sensorium für Humor, Witz und Ironie, über das hohe Mass an innerer Spannung, an Ruhe und Konzentration, um die clareté et simplicité, die Klarheit und Raffinesse der Werke unforciert und in wundersamer Zeitlosigkeit zum Klingen und zur Wirkung zu bringen. (ws)

Erik Satie: Piano Works (complete). Cristina Ariagno, Klavier. (Brilliant Classics 93559; 6 CDs in Box. Booklet engl./frz.)

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