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Hans Erich Apostel und das Streichquartett

18.08.2010 — Nach dem überzeugenden Start der Reihe «Künstler im Gespräch» mit Karl Amadeus Hartmann ruft das Label Cybele mit Volume 2 einen weitgehend Vergessenen in Erinnerung: Hans Erich Apostel (1901–1972).

In Karlsruhe geboren und als Kapellmeister und Korrepetitor tätig, siedelte er 1921 nach Wien über, wo er bei Arnold Schönberg, anschliessend bei Alban Berg studierte. Seine Karriere als Dirigent, Pianist und Komponist brach ein, als die Nazis die Macht in Österreich übernommen hatten: Apostels Kompositionen wurden als «entartet» gebrandmarkt.

Wurzelten seine frühen Werke in Spätromantik und Expressionismus (zu seinem Freundeskreis gehörten Nolde, Kokoschka und Kubin), so öffneten ihm Schönberg und Berg die Möglichkeiten der Dodekaphonie, die Apostel jedoch frei handhabte, dabei grösstmögliche Konzentration in Verarbeitung und Ausdruck anstrebte. Nach dem Krieg präsidierte Apostel, der wiederholt geehrt und ausgezeichnet wurde, die österreichische Sektion der IGNM und gab als Lektor der Universal Edition u. a. Bergs Opern «Wozzeck» und «Lulu» heraus.

Im ausführlichen, an Informationen und Beurteilungen reichen Gespräch, das Mirjam Wiesemann mit Prof. Rainer Bischof, dem Apostel-Schüler und -Vertrauten, führte, werden Herkunft, Umfeld, Persönlichkeit und Schaffen Hans Erich Apostels differenziert dargestellt. Er selbst kommt zu Wort in einer ORF-Aufnahme aus dem Jahr 1968; kurz zu hören sind auch Elias Canetti und Fritz Wotruba. Zum gesprochenen Teil dieses Albums gehört im Weiteren die von Karl Schiske gehaltene Laudatio zu Apostels 50. Geburtstag.

Angesichts des Dornröschendaseins von Apostels Werk im heutigen Musikbetrieb sind die Einspielungen des DoelenKwartet nicht hoch genug zu schätzen. Die Interpreten aus Rotterdam widmen sich mit künstlerisch überzeugendem Ergebnis dem Œuvre für Streichquartett (nach Apostels Worten «das Alpha und Omega des Komponierens»): den Quartetten op. 7 (1935), op. 26 (1956) und dem d-Moll-Quartett aus dem Jahr 1926, den Sechs Epigrammen op. 33 (1962) und den 18 Variationen über ein eigenes Thema (1925).

Ausser dem Streichquartett op. 7 (durch das LaSalle-Quartett 1982 aufgenommen, aber seit langem vergriffen) handelt es sich bei den anderen Kompositionen um Ersteinspielungen – die Manuskripte der zwei Werke aus den Zwanzigerjahren liegen noch nicht im Druck vor.

Die Reichhaltigkeit der drei CDs findet ihre Entsprechung im 71-seitigen Booklet (deutsch, englisch) mit fundierten, von Fotodokumenten und Faksimiles begleiteten Beiträgen. (ws)

Hans Erich Apostel und das Streichquartett. – Streichquartette op. 7 und op. 26; Streichquartett d-Moll (1926); Sechs Epigramme op. 33 und 18 Variationen über ein eigenes Thema für Streichquartett. – Historische Sprachaufnahmen mit Hans Erich Apostel sowie Mirjam Wiesemann im Gespräch mit Rainer Bischof. – DoelenKwartet. (Cybele Records Künstler im Gespräch Vol. 2; KiG 002; 3 SACDs Hybrid Multichannel in Klappalbum; 200’)

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