21.04.2008 — Nach Erkundungen in den Orgellandschaften der Deutsch-, der Welschschweiz und des Wallis stellt Albert Bolliger vier historische Instrumente aus dem Tessin vor.
Er beweist gründliche Kenntnisse der Orgeln und ihrer klanglichen Möglichkeiten und Vorzüge, macht auf ihnen mit reizvollen, stilistisch dem Charakter der Instrumente entsprechenden Kompositionen bekannt und begleitet die Einspielung mit einem inhaltlich substantiellen, farbig reich illustrierten Booklet (dt., ital., frz., engl.), das Informationen zu den Orgeln, ihren Erbauern und Restaurateuren, zu Komponisten und Werken sowie die Registraturen enthält.
Zwei der Instrumente – sie weisen typische Merkmale des lombardischen Orgelbaus auf, sind in der Regel einmanualig mit rudimentärem Pedal – stammen aus der gleichen Zeit: Jene von Bosco-Gurin (der einzigen deutschsprachigen Gemeinde des Kantons, einer ehemaligen Walser-Siedlung) stellte Felix Carlen 1796 fertig, Carlo Bossi jene in der Pfarrkirche Santa Maria del Sasso von Morcote ein Jahr später. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die von Giuseppe Reyna erbaute Orgel in Monte Carasso eingeweiht. In ihren ältesten Teilen geht die über zwei Manuale und Pedal verfügende Orgel der Chiesa Collegiata von Bellinzona (dem Kantonshauptort) auf das Jahr 1588 zurück; heute präsentiert sie sich in ihrem Zustand von 1816.
Albert Bolliger hat sich auf kurze Werke italienischer Komponisten aus dem 17. und 18. Jahrhundert konzentriert, darunter auf Sätze aus dem Chigi-Manuskript und von Bernardo Pasquini, Bernardo Storace und Adriano Banchieri, von Giovanni Battista Martini und – der jüngste unter ihnen – Vincenzo Bellini.
26 Sätze auf vier Instrumenten: Vielseitigkeit der Gattungen und Formen, aparte Differenzierung im Klangbild und plastische, bis ins Detail belebte Interpretationen – ein exquisites Erlebnis. (ws)
Historische Orgeln der Schweiz, Vol. 11: Tessin. Albert Bolliger an Orgeln von Morcote, Bosco-Gurin, Monte Carasso und Bellinzona. (Sinus 6011; 65’)