26.03.2007 — Reisender in Sachen alter Orgeln und Entdecker erlesener Orgelliteratur ist der Schweizer Albert Bolliger. Nicht nur in seiner Heimat bringt er historische Instrumente von der intimen Truhenorgel bis zur gewaltigen Kathedralorgel zum Klingen (bisher liegen neun Alben sowie eine CD mit Aufnahmen der ältesten spielbaren Orgel der Welt in Valère, Wallis, vor), auch in Österreich, Deutschland, Dänemark und Spanien kombiniert Bolliger kostbare Klangdenkmäler mit Repertoire-Raritäten. Und auf den Philippinen realisierte er ein klingendes Porträt der Bambusorgel von Las Piñas.
Manche dieser Alben, die zur Qualität des Spiels auch bestechen durch in Text und Bild exemplarisch dokumentierende Booklets, sind mit renommierten Preisen bedacht worden.
Andere Länder, andere Traditionen, auch im Orgelbau – im Prospekt, in der Disposition der Register, im Klangcharakter – und in den Kompositionsstilen. Die mittlerweile drei Alben umfassende Serie Historische Orgeln in Frankreich bringt dies zu Ohren und vor Augen.
Vol. 1 ist der grossen Barockorgel des auch als Verfasser einer «Art du facteur d’orgues» berühmt gewordenen François Bedos de Celles in der Abteikirche Sainte-Croix in Bordeaux gewidmet. Das fünfmanualige, in seinem Grundbestand aus dem Jahr 1748 stammende (selbstredend wie alle anderen alten Werke mehrmaligen Restaurierungen unterworfene) Instrument finanzierten die Benediktiner aus dem Verkaufserlös ihres hochgeschätzten Weissweins.
Zum Teil durch Veräusserung von Wäldern bezahlt wurde die in Vol. 2 dokumentierte viermanualige Orgel der Kathedrale von Saint-Pierre in Poitiers. Gebaut wurde sie zwischen 1787 und 1791 durch François-Henri Clicquot, der besonderen Ruf genoss für seine Zungenregister.
Ins Elsass, nach Ebersmunster, führt das jüngste Album, Vol. 3 der Reihe. Die Abteikirche beherbergt die 1730/1731 errichtete dreimanualige Orgel der Silbermann-Dynastie, die viertletzte Arbeit von Andreas Silbermann. Er schuf insgesamt 34 Orgeln, so für die Abteikirche Marmoutier und die Münster von Basel und Strassburg.
Auf allen drei CDs bringt Albert Bolliger Sätze und Sammlungen französischer Meister des 17. und 18. Jahrhunderts (darunter d’Agincour, Balbastre, Boyvin, Clérambault, Corrette, Louis Couperin, Pierre und Jean-François Dandrieu, Guilain, Lebègue, Siret) in «komponierten» Programmen zum Erklingen, berücksichtigt dabei typische Gattungen des Goût français wie Noël-Variationen und Suiten in Kirchentonarten.
Albert Bolliger erweist sich auch hier, wie zu erwarten, als souveräner Gestalter in einem Spiel, das besticht durch Noblesse und Natürlichkeit, die aufgesetzte Affekte ausschliesst, durch Akkuratesse in der Artikulation, durch Klarheit und Transparenz und eine meisterliche Kunst der Registrierung und Klangregie, die bis in Details die Harmonie von Instrument, Komposition und Klanggestalt mitzuteilen vermag.
Nicht zu vergessen: Die zum grössten Teil von Bolliger verfassten, vierfarbig illustrierten Beihefte (dt., frz., engl.) bringen einlässliche Erläuterungen zu den Orgeln, ihren Erbauern, den Komponisten und ihren Werken, listen die genauen Registrierungen der einzelnen Sätze auf und vermitteln kulturhistorische Informationen zu weiteren Themenkreisen. (ws)
Orgues historiques de France, Vol. 1 bis Vol. 3. Albert Bolliger an den Orgeln der Abteikirche Sainte-Croix in Bordeaux (Sinus 3001; 68’), der Kathedrale von Saint-Pierre in Poitiers (Sinus 3002; 67’) und der Abteikirche von Ebersmunster (Sinus 3003; 57’).