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Johannes Hieronymus Kapsberger: Lautenwerke

27.07.2008 — Kapsberger: Einer von den vielen zu Lebzeiten hochberühmten Künstlern, die, kaum begraben, samt Schaffen und Ruhm auch schon dem Vergessen anheimfallen.

Als «Nobile Alemano» und «Il Tedesco della Tiorba» bezeichneten ihn seine Verehrer, die Giovanni Geronimo Girolamo Kapsberger (oder Kapsperger) schätzten als herausragenden Meister der Theorbe und als erfindungsreichen Komponisten auch von Gesängen und Chorwerken. Doch war er Italien näher als Deutschland, dem Land seiner Vorfahren; geboren wurde er um 1580 in Venedig, wo sein Vater als Kolonel in österreichischen Diensten stand. 1605 liess sich Kapsberger in Rom nieder, wo sich, wohl beeindruckt vom weltgewandten Auftreten des jungen Mannes, vom Spiel des Virtuosen und seinem im Jahr zuvor publizierten «Libro primo d’intavolatura di Chitarrone», die Adelsfamilie Barberini seiner annahm.

Dank dieser Mäzene hatte er ausgesorgt: Maffeo Barberini – ab 1623 Papst Urban VIII. – vermittelte Kapsberger eine Anstellung im Vatikan. Im Palazzo Barberini und an seinem Wohnsitz, wo Kapsberger eine eigene «Accademia» unterhielt, trafen sich Komponisten, Theoretiker, Instrumentalisten, Sängerinnen und Poeten, kurz: die Elite von Roms Kunstschaffenden. 1651 ist Kapsberger gestorben.

Dass sich auch Neider und Schmäher einstellten – im ersten Glied der Gelehrte Giovanni Battista Doni, der kein Musiker war, aber ein konservativer Nachzügler der Renaissance – hat der Kapsberger-Rezeption geschadet. Zudem fanden sich immer neu Kolporteure, denen das Verbreiten alter Behauptungen und ungesicherter Anekdoten leichter fiel als eine vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit Kapsbergers Schaffen.

Paul O’Dette, der amerikanische Primus an der zehnsaitigen Laute und dem extrem langhalsigen, voller und bassbetonter klingenden Chitarrone (vergleichbar der Theorbe), ist ein blutvoller und sensibler Anwalt in Sachen des «Tedesco della Tiorba». Die 25 Kompositionen, darunter als längste (mit gut elf Minuten Aufführungsdauer) die neun Partite enthaltende Aria di Fiorenza, entstammen dem einzigen erhaltenen Lautenbuch (1611) und dem ersten und vierten Band für Chitarrone (1604 bzw. 1640).

Auf die hohe, Klischees meidende Qualität des Avantgardisten der Monodie, der die Verzierungspraxis des jungen dramatischen Stils auf die Laute und ihr verwandte Instrumente übertrug und das solistische Theorbenspiel ausbildete, werfen O’Dettes expressive Interpretationen ein helles Licht. (ws)

J. H. Kapsberger: Lute Works. Paul O’Dette, Laute und Chitarrone. (Harmonia Mundi USA, HMG 507020; 69’. Booklet frz., engl., dt.)

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