02.11.2013 — Durch Literatur, bildende Kunst und Musik geistert seit der Antike die jungfräuliche Wassernixe als Undine, Rusalka, schöne Lau, Donauweibchen, Sirene, Nereide, heimisch in Strom, See und Meer, Verführerin und Leidende, mal verspielt, mal verzaubernd, mal Verderben bringend. Der schillernden Wassergestalt widmet die Schweizer Flötistin Eva Oertle (sie ist auch Musikredaktorin und Moderatorin bei Radio SRF 2) mit ihrem Klavierpartner Vesselin Stanev ein apartes Rezital unter dem Titel «Undine».
02.11.2013 — Durch Literatur, bildende Kunst und Musik geistert seit der Antike die jungfräuliche Wassernixe als Undine, Rusalka, schöne Lau, Donauweibchen, Sirene, Nereide, heimisch in Strom, See und Meer, Verführerin und Leidende, mal verspielt, mal verzaubernd, mal Verderben bringend. Der schillernden Wassergestalt widmet die Schweizer Flötistin Eva Oertle (sie ist auch Musikredaktorin und Moderatorin bei Radio SRF 2) mit ihrem Klavierpartner Vesselin Stanev ein apartes Rezital unter dem Titel «Undine».
Den Schwerpunkt bilden Carl Reineckes «Undine»-Sonate op. 167, Mendelssohns Sonate F-Dur und Mozarts Sonate KV 304. Von dessen Sohn Franz Xaver erklingt das Rondo in e-Moll, von Donizetti ein Andante-Satz. Am unmissverständlichsten treten die Charakterzüge der Nixe und die Reaktionen der Menschen auf sie hervor in den vielen Liedern, deren Texte sie zum Thema haben. Die Interpretin arrangierte die Singstimme von fünf Liedern (Haydn, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Bizet) für ihr Instrument.
Eva Oertle besticht mit perfekter Technik und weiten Phrasierungsbögen, mit substanzvollem, warmem, über alle Register ausgeglichenem Ton, der auch die melodische Sinnlichkeit zur Ausstrahlung bringt. In Vesselin Stanev steht der Flötistin ein gewandter, persönliche Impulse beitragender Pianist zur Seite, der das Seine beiträgt zu einem ausgefeilten, stimmigen Duospiel.
A French Recital
Ein englischsprachiger Titel über einem rein französischen Programm? Das ist auch das einzig Fragwürdige an diesem Rezital des 1977 in München geborenen, bereits mit vielen internationalen Preisen bedachten Cellisten Sebastian Klinger, dem Ersten Solocellisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, und der ukrainischen, in Graz lehrenden Pianistin Milana Chernyavska.
Der Bogen spannt sich von César Francks für Cello adaptierte und vom Komponisten in dieser Fassung autorisierte A-Dur-Violinsonate (1886) über Claude Debussys Scherzo (1882, ohne das Nocturne) und dessen Sonate für Cello und Klavier (1915) zu Henri Dutilleux’ «Trois strophes sur le nom de Sacher» für Cello solo (1982).
Klinger – er spielt auf einem prachtvollen Instrument von Camillus Camilli, Mantua, um 1736 – erweist sich als Meister der Klangfarben und -nuancen mit grosser dynamischer Spannweite und packender emotionaler Kraft. In der makellosen Technik und der bildhaft plastischen Gestaltung steht ihm eine gleichgesinnte Partnerin zur Seite.
Robert und Clara Schumann: Klaviertrios
Das 1998 gegründete Schweizer Klaviertrio – Angela Golubeva (Violine), Sébastien Singer (Cello) und Martin Lucas Staub (Klavier) – lässt seiner vielgelobten Einspielung der beiden Klaviertrios op. 63 und op. 80 (1847) von Schumann auf der neuen CD das g-Moll-Trio op. 110 (1851) folgen, gekoppelt mit den vier Fantasiestücken op. 88 (1842).
Ihr Klaviertrio op. 17 schrieb Clara Schumann 1846, noch bevor ihr Gatte (der den kompositorischen Ambitionen seiner Frau ja nicht eben wohlgesinnt war) seine Trios schuf. Hörbar ist, dass sie als Pianistin dem Klaviersatz breiten Raum und virtuose Wirkung gibt, dass sie formale Geschlossenheit, Eleganz und Ausdruckskraft ebenso realisiert wie motivisch vielfältige Verknüpfung. Clara Schumann stellt in diesem Trio (das sie nach dessen Drucklegung selbstquälerisch als «gar weibisch sentimental» abqualifizierte) handwerkliche Qualität und künstlerische Originalität unter Beweis.
Dass ihr g-Moll-Trio seine Vorzüge und Eigenheiten entfaltet, dass es den Vergleich mit den Meisterwerken ihres Gatten nicht zu scheuen braucht, ist der technisch makellosen, klanglich austarierten und expressiven Interpretation des Schweizer Klaviertrios zu verdanken.
Léon Boëllmann: Klaviertrio und Klavierquartett
Vornehmlich Liebhabern der Orgelmusik ist der 1862 im Elsass geborene Léon Boëllmann ein Begriff: Unter seinen rund 160 Kompositionen bilden die Orgelwerke, darunter die «Suite gothique» und die Sammlung «Heures mystiques», den Schwerpunkt. Nach seiner Ausbildung in Frankreichs Metropole unter anderem bei Eugène Gigout profilierte sich Boëllmann als Pianist und Orgelvirtuose und wirkte als Kantor und Titularorganist an St-Vincent-de-Paul in Paris. Sein Ruhm verblasste allerdings rasch: Léon Boëllmann starb 1897, nur 35-jährig, an Tuberkulose. Eine Wiederbeachtung seines Schaffens, zu der auch Orchesterwerke, Kammermusik, Lieder und Klavierwerke gehören, setzte mit Blick auf seinen 100. Todestag ein.
Das seit drei Jahrzehnten bestehende Trio Parnassus, das bisher sämtliche Klaviertrios von zwanzig Komponisten eingespielt hat, durchforstet weiterhin regelmässig Archive und nimmt sich wenig bekannten und vergessenen Werken an. So auf der vorliegenden CD Boëllmanns Klavierquartett f-Moll op. 10 (1890) und dem Klaviertrio G-Dur op. 19 (1895); dazu kommen Zwei Stücke für Cello und Klavier op. 31 und Bearbeitungen für Klaviertrio von zwei Miniaturen aus den «Heures mystiques».
Kein Wunder wurden Trio und Quartett mit Preisen der Société des Compositeurs ausgezeichnet, denn einerseits wurzeln sie mit ihrer Spielfreude und klanglichen Opulenz in der publikumsnahen unkomplizierten Art französischer Spätromantik, andererseits überraschen sie immer wieder mit Elementen, die den Konventionen ausweichen und, sei es harmonisch, sei es rhythmisch, sei es in der Instrumentenkombination, die Aufmerksamkeit fesseln. Den interpretatorischen Qualitäten des Trio Parnassus mit Yamei Yu (Violine), Michael Groß (Cello) und Chia Chou (Klavier), zum Quartett ergänzt durch Gérard Caussé (Viola), ist es zuzuschreiben, dass die Werke Boëllmanns farbenreich und ohne Patina einer vergangenen Epoche erklingen.
Charles-Marie Widor: Die Klaviertrios
Ähnlich Boëllmann ging Charles-Marie Widor (1844–1937) in die Musikgeschichte ein als herausragender Orgelspieler. Berühmt waren seine Improvisationen; er gilt als Gründer der «französischen Orgelschule», und als Schöpfer von zehn Orgelsinfonien versuchte er, die klanglichen Möglichkeiten und die Ausdruckskraft des Sinfonieorchesters auf die romantische Orgel zu übertragen. An der Cavaillé-Coll-Orgel von Saint-Sulpice in Paris, damals einem der grössten Instrumente Europas, wirkte er nicht weniger als 64 Jahre.
Neben seiner Orgelmusik führt Widors weiteres umfangreiches Schaffen ein Schattendasein. Das Trio Parnassus hat sich seinen Kompositionen für Klaviertrio-Besetzung angenommen: dem B-Dur-Trio op. 19 (1874), den «Soirs d’Alsace» op. 52 (1908) und den Quatre pièces en trio (1869/1890).
Einschmeichelnde Kantabilität, unkomplizierte Harmonik, virtuose Streicher- und Klavierpassagen beherrschen die Szene, hier und dort aufgebrochen durch ausfahrende, aber rasch wieder zurückgebundene Gesten. Das Trio Parnassus zeigt sich in eleganten, gefühlvollen Interpretationen als Anwalt eines kompositionstechnisch brillanten, in diesen Werken, ganz im Gegensatz zu Widors revolutionärem Orgelschaffen, dem bürgerlichen Geschmack seiner Zeit verhafteten Meisters. (ws)
Undine. Werke für Flöte und Klavier von Mendelssohn, Reinecke, Schumann, Mozart u. a. Eva Oertle, Flöte, Vesselin Stanev, Klavier. (Sony Classical 88883735152; 71’. Koproduktion mit Radio SRF 2 Kultur)
A French Recital. Werke von Franck, Debussy und Dutilleux. Sebastian Klinger, Cello; Milana Chernyavska, Klavier. (Oehms Classics OC 856; 54’)
Clara Schumann: Klaviertrio op. 17; Robert Schumann: Klaviertrio op. 110, Fantasiestücke op. 88. Schweizer Klaviertrio. (Audite SACD 92.549; 78’)
Léon Boëllmann: Klaviertrio op. 19; Klavierquartett op. 10; 2 Stücke für Cello und Klavier op. 31; zwei Klaviertriosätze aus «Heures mystiques». Trio Parnassus. Gérard Caussé, Viola. (MDG Gold 303 1755-2; 73’)
Charles-Marie Widor: Complete Piano Trios. Klaviertrio op. 19; Klaviertrio op. 52 «Soirs d’Alsace»; Vier Klaviertriosätze, 1890. Trio Parnassus. (MDG Gold 303 1794-2; 62’)