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Klaus Miehlings «Gewaltmusik Musikgewalt»

Buch-Rezension vom 31.07.2007

Zur Rezension meines Buches «Gewaltmusik – Musikgewalt» Ihres Autors wb möchte ich folgende Stellungnahme abgeben: In der Begründung meiner Thesen stütze ich mich, so schreibt Ihr Autor, «auf drei, methodisch allesamt untaugliche Strategien»: Eine «Überfülle an Zitaten», eine fehlende «Kontrolle, ob Ereigniskorrelationen […] tatsächlich kausaler Natur sind» sowie das Ausblenden von allem, was meiner «Werteklassifikation der Musik widersprechen oder auch bloss ein differenzierteres Bild zeichnen würde.»

  1. Belege in Form von Zitaten sind eine in den Geisteswissenschaften übliche Methode. Der Autor kritisiert, ich würde darauf verzichten, «die Glaubwürdigkeit und das Niveau der Quellen zu gewichten», indes ohne selbst Belege für die mangelhafte Glaubwürdigkeit bestimmter Quellen beizubringen. Die meisten der Zitate stammen von der Gewaltmusik positiv gegenüberstehenden Autoren oder Gewaltmusikern selbst; wenn sie – gegen das eigene Interesse – meine These von der Schädlichkeit dieser Musik stützen, spricht das für ihre Glaubwürdigkeit. Auch Interviews in anerkannten Musikzeitschriften und Meldungen in seriösen Nachrichtenportalen im Netz dürften als glaubwürdige Quellen einzustufen sein; insbesondere wenn es keine anderslautenden Meldungen bzw. Dementi gibt. Zusammenfassende Überblicksuntersuchungen wie die meine müssen zwangsläufig auf der Arbeit anderer Autoren aufbauen. Wenn ich diese nicht widerlegen kann, habe ich deren Ergebnisse zu respektieren. Das gilt auch für Ihren Autor.
  2. Entgegen der Behauptung des Rezensenten habe ich mich in dem Buch selbstverständlich mit der Frage der Kausalität beschäftigt; vor allem im Kapitel 3.1. «Gewaltmusik als Ursache?».
  3. Das Thema des Buches sind die schädlichen Wirkungen populärer Musik. Es entsprach schlicht nicht dem Thema, eventuelle positive Wirkungen zu beschreiben. Unkritische Befürworter dieser Musik gibt es zuhauf. Somit ist ein kritisches Buch ein notwendiges – und immer noch viel zu schwaches – Gegengewicht. Im übrigen habe ich Gegenpositionen durchaus zu Wort kommen lassen, die freilich leicht zu widerlegen waren. Auch habe ich beispielsweise die Studie von Rentfrow/Gosling erwähnt, die Countryhörern emotionale Stabilität und Jazzhörern Intellektualität bescheinigt (S. 414). In der Tat gibt es aber offenbar kaum Fakten oder Untersuchungsergebnisse, die gegen meine Position sprechen. Auch der Rezensent hat keine angeführt.
  4. Eine weitere Begründung meiner Thesen verschweigt der Rezensent: Die psychologischen und sozialwissenschaftlichen Untersuchungen, die im o.g. Kapitel 3.1. vorgestellt werden. Sie belegen nämlich, dass die «Ereigniskorrelationen […] tatsächlich [auch] kausaler Natur sind».

Falsch ist die Aussage des Rezensenten, ich würde behaupten, «Zeugen dieses Kalibers [er nennt einen Fernsehjournalisten und eine Schülerin] hätten durch falschen Musikkonsum ihre Urteilsfähigkeit eingebüsst». Das Wort «Urteilsfähigkeit» dürfte im ganzen Buch nicht vorkommen. Gewiss werden die meisten Gewaltmusikkonsumenten aus Voreingenommenheit und «Betriebsblindheit» die Folgen der Musik nicht erkennen; wenn aber einige trotzdem die schädlichen Wirkungen bemerken, ist das um so mehr ernstzunehmen.

Meine Argumentation setzt sich aus mehreren sich gegenseitig ergänzenden und erklärenden Indizien- und Beweisgruppen zusammen. Der Rezensent kritisiert gewissermassen einzelne Bausteine als unzureichend (wobei er den wichtigen Baustein «wissenschaftliche Untersuchungen» verschweigt), ohne zur Kenntnis zu nehmen, welches Bild sie zusammengesetzt ergeben.

Abschliessend möchte ich darauf hinweisen, dass das Buch im Oktober 2006 auf Rang 4 der von 26 Juroren erstellten Sachbuch-Bestenliste war. Dort wäre es kaum hingekommen, wenn die Vorwürfe des Rezensenten zuträfen.

 
  Dr. Klaus Miehling
79102 Freiburg

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