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Orchesterwerke von Josef Suk

12.03.2007 — Zu den Künstlern, denen in einem Teil ihres Ouvres – sei es Literatur, bildende Kunst oder Musik – autobiografische Elemente als Inspirationsquelle dienten, gehört auch der tschechische Komponist Josef Suk (1874-1935).

Die ersten drei Jahrzehnte seines Lebens standen unter einem glücklichen Stern: Suk, dessen Frühwerk von der Musik seines Lehrers, Freundes und späteren Schwiegervaters Antonin Dvorák geprägt ist, distanzierte sich von der nationalen Folklore und entwickelte seinen von Mahler, Strauss und den französischen Impressionisten beeinflussten eigenwilligen Stil. Nicht weniger erfolgreich als mit seinen Kompositionen, darunter Klavier- und Kammermusik, Orchester- und Bühnenwerke, war Suk als Interpret; ab 1891 gehörte er am zweiten Pult dem international renommierten Böhmischen Streichquartett an.

1898 heiratete er Dvoráks Tochter Otilie. Die unbeschwerte Zeit ging bereits 1904 mit dem Tod seines Schwiegervaters zu Ende – vierzehn Monate später starb nach schwerer Krankheit auch Otilie. Die folgenden Jahrzehnte (ab 1922 lehrte er am Prager Konservatorium) standen im Zeichen der Befreiung aus der Depression und der Bewältigung der familiären Tragödie; in sein Werk haben sie tiefe Spuren gegraben.

Unmittelbar nach Vollendung der Sinfonischen Dichtung «Praga» (1904) in der Tradition Smetanas (mit Anlehnungen an den Hussitenchoral «Die ihr Gottes Streiter seid») entwarf Suk zu Dvoráks Gedenken die c-Moll-Sinfonie, die er «Asrael» nannte nach dem islamischen Todesengel Israil, der die Verstorbenen ins Jenseits geleitet. Nach Otilies Hinschied änderte er die Konzeption der beiden letzten (Adagio-)Sätze – das Werk (Aufführungsdauer 1 Stunde) mit seinem grotesken Totentanz-Scherzo wurde zur Trauersinfonie in düsteren Farben und erweiterten kompositorischen Mitteln (breit fliessender Entwicklungsstrom, satzübergreifend semantisch besetzte Motive, erweiterte Tonalität, starke polyphone Verflechtung, gesprengte metrische Struktur, prägnante rhythmische Formen, klangliche Opulenz und eine wirkungssicheren Effekten nicht abholde Expressivität).

Im Zeichen der Wiedergewinnung des Lebenswillens stehen die Tondichtungen «Ein Sommermärchen» (1909) und «Das Reifen» (1917) mit erfindungsreicher Melodik und impressionistischer Farbenpalette.

Seine sinfonische Tetralogie hat Suk abgeschlossen mit «Epilog» für Sopran, Bariton, Bass, zwei Chöre und Orchester (1929/1933) auf Texte aus dem Buch der Psalmen und dem Alten Testament. Dieser Zyklus, so Josef Suk, «durchmisst das ganze Leben; in das Nachdenken über den Tod und die Todesfurcht mischt sich das Lied der irdischen Liebe, und alles mündet in den begeisterten Gesang der befreiten Menschheit». Dass die «Asrael»-Sinfonie packender ist als der optimistische «Epilog» aus den Dreissigerjahren, dürfte manchem Hörer nicht verborgen bleiben.

Bereits früher einzeln edierte Einspielungen hat das Label Supraphon nun in einer Kassette zusammengefasst: den vierteiligen Zyklus und die Sinfonische Dichtung «Prag» sowie die Orchestersuite «Ein Märchen» (1900). Die werkdienlichen Interpretationen ehren einen im Konzertleben vernachlässigten tschechischen Meister, dessen Schaffen geprägt ist durch persönliches Schicksal und durch die individuelle Synthese von böhmischer Tradition und den Strömungen der Moderne am Anfang des 20. Jahrhunderts. (ws)

Josef Suk: Asrael. A Summer’s Tale. The Ripening. Epilogue. Fairy Tale. Praga. – Zora Jehlicková (Sopran), Ivan Kusnjer (Bariton), Ján Galla (Bass). Czech Philharmonic Orchestra. Prague Philharmonic Choir. Leitung: Václav Neumann, Libor Pesek. (Supraphon SU 3864-2; 4 CDs. 242′) bei Amazon kaufen

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