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Paganini: Zwei Violinkonzerte

09.05.2008 — Er zählt beileibe nicht zu den Bescheidenen seiner Gilde, der «Hexenmeister» des Geigenspiels, das er sich weitgehend autodidaktisch angeignet hat. Bereits der knapp 16-jährige Niccolò Paganini brachte, stellt man auf jüngste Forschungsergebnisse ab, ein «Grande Concerto» (Aufführungsdauer 40 Minuten) zu Papier, mit Reverenzen an Viotti, Tartini und Mozart, doch schon geprägt von durchaus eigenwilligen Formulierungen.

Noch als Mitteleuropa bereisender, vom Publikum dämonisierter Starvirtuose – seine ruhmreichste Zeitspanne dauerte von 1828 bis 1834 – brachte Paganini seinen Erstling (nicht identisch mit dem bisher als Nr. 1 bezeichneten Es-Dur-Konzert) zu Gehör. Erstaunlich ist dies nicht zuletzt, weil sich im e-Moll-Konzert (M.S. 75, irreführend als Nr. 6 eingereiht), abgesehen vom Rondo nicht vorab der blendende Techniker, sondern der Musiker von lyrischer Qualität und unverkrampfter, zuweilen gar witzig wirkender Eleganz artikuliert.

Das letzte seiner Violinkonzerte, das 5. in a-Moll (M.S. 78) aus dem Jahr 1830, ist von anderem Zuschnitt. Da zeigt sich bereits in der opernhaft opulenten Introduktion, die bis zum ersten Einsatz des Soloinstruments einen Viertel der Wiedergabezeit des Kopfsatzes beansprucht, der podiumserfahrene, von Selbstüberzeugung strotzende Geigenkünstler. Spannungsvoll sind die radikalen Stimmungswechsel auf engem Raum, echt paganinisch natürlich die kalkulierten Effekte, die auf die Spitze getriebene Virtuosität mit den Trillerketten und dem halsbrecherischen Passagen- und Figurenwerk, was im Finalsatz – im Vergleich mit dem e-Moll-Konzert – eine Einbusse an poetischer Substanz zeitigt.

Unsicherheiten bleiben. Paganini, gesundheitlich schwer angeschlagen, konnte sein a-Moll-Konzert nicht mehr selbst aufführen (er starb 1840). Das Orchestermaterial blieb verschollen und wurde aufgrund des Particells rekonstruiert, darunter durch Giusto Dacci und Federico Mompellio. Für die vorliegende Einspielung hat der Dirigent Lior Shambadal eine neue, eine klanglich überzeugende Fassung erstellt.

Mit den beiden gegensätzlichen kontrastreichen Werken schliesst Ingolf Turban seine Gesamteinspielung der sechs Paganini-Konzerte bei Telos Records ab. Auch hier erweist der in München lehrende Violinist, der in der TV-Dokumentation «Paganinis Geheimnis» (2006) als Hauptakteur brillierte, ausgefeilte Perfektion, grossräumige Gestaltung, strahlenden Ton, leuchtende Klangfarben und stupende Musikalität. Adäquat formender Partner ist ihm das WDR Rundfunkorchester unter Lior Shambadal. (ws)

Niccolò Paganini: Konzerte für Violine und Orchester VI (e-Moll) & V (a-Moll). Ingolf Turban, Violine. WDR Rundfunkorchester Köln. Leitung: Lior Shambadal. (Telos Music Records TLS 048; 2CDs; 81’)

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