Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Pierre-Laurent Aimard mit Ravel in Cleveland

21.09.2010 — Die CD macht auf den ersten Blick etwas den Eindruck einer Gelegenheitsproduktion: Die Aufnahmen zu den beiden Klavierkonzerten Ravels in G-dur und für die linke Hand sind Live-Mitschnitte eines Konzertes vom Februar dieses Jahres in Cleveland, respektive im dortigen Konzertsaal Severance Hall. Am Arbeiten ist da naheliegenderweise das Cleveland Orchestra. Der Pianist ist allerdings mit Pierre-Laurent Aimard eine massgebende Instanz in Sachen französischer Musik, und der Dirigent kein Geringerer als Pierre Boulez, der die Werke in jungen Jahren eher abschätzig als «nicht progressiv» abgetan hat.

Im Booklet räumt er ein, dass dies eine «strenge und naive» Einschätzung gewesen sei. Ravel habe eine eigenständige Entwicklung durchlebt und zu einer fesselnden eigenen harmonischen Sprache gefunden.

Die beiden Konzerte füllen rund vierzig Minuten der Spielzeit der CD. An sie schliesst sich deshalb noch eine am selben Ort, aber unter Studiobedingungen realisierte Aufnahme von Ravels «Miroirs» für Klavier solo an.

An den Konzerten – sie waren Teil von Feierlichkeiten anlässlich des 85. Geburtstages von Pierre Boulez – erklangen neben den beiden Ravel-Werken noch Messiaens «L’Ascension» und Debussys «Ibéria» (nicht auf der CD). Während desselben Aufenthaltes in Cleveland spielte Boulez mit dem Orchester überdies ein Mahler-Programm ein – mit dem Adagio aus der 10. Sinfonie und «des Knaben Wunderhorn» mit Magdalena Kožená und Christian Gerhaher, das von der Deutschen Grammophon zur Zeit ebenfalls auf den Markt gebracht wird.

Der Eindruck einer Gelegenheitsproduktion (der auch zutrifft) erschöpft die Produktion natürlich nicht, denn da kommen auf einzigartige Weise unterschiedliche Stärken zusammen, welche die Ravel-Werke in ungewöhnlich umfassender Weise durchdringen.

Zum einen sind Boulez und Aimard sicherlich erste Adressen, wenn es um das Verständnis der frühen französischen Moderne geht, zum andern steht das Cleveland Orchestra für die urbanen und vitalen Jazz-Elemente, die vor allem dem Konzert in G-Dur auch eigen sind. So kommt eine Interpretation zustande, welche die distanzierte, exakte Sachlichkeit Boulez’ mit der Vitalität und dem Schwung eines amerikanischen Orchesters paart (nicht zuletzt in den Bläserpartien!). (cf)

Ravel: The Concertos. Miroirs. Pierre-Laurent Aimard (Klavier), The Cleveland Orchestra, Pierre Boulez (Leitung). Deutsche Grammophon/Universal, Best.Nr. 477 8770.

Schreibe einen Kommentar