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Rautavaara: 12 Concertos

18.01.2010 — Einer der profiliertesten finnischen Komponisten des 20. Jahrhunderts spielt ausserhalb seines Heimatlands eine marginale Rolle: Einojuhani Rautavaara, geboren 1928 in Helsinki. Der Sohn eines Opernsängers wurde früh Waise, lernte Klavier, Musikwissenschaft und Komposition. Sibelius unterstützte ihn 1955 mit einem Stipendium, das ihm selbst zugesprochen worden war. Dank dieser Förderung konnte Rautavaara sich an der Juilliard School in New York bei Vincent Persichetti und am Tanglewood Music Center bei Roger Sessions und Aaron Copland weiterbilden. 1957 studierte er bei Wladimir Vogel die Zwölftontechnik.

Nach Tätigkeiten als Lehrer an der Sibelius-Akademie, als Bibliothekar und Archivist beim Philharmonischen Orchester Helsinki und als Rektor am Käpylä Music Institute in Helsinki wirkte er von 1976 bis 1990 als Professor für Komposition an der Sibelius-Akademie.

Rautavaaras reiches Œuvre, das sämtliche Gattungen umfasst, darunter Opern (zusammen mit seinem jüngeren Landsmann Aulis Sallinen gilt er als Grossmeister des Musiktheaters), acht Sinfonien und ein Dutzend Instrumentalkonzerte, reflektiert einen grossen Teil des kompositorischen Spektrums seines Jahrhunderts und die Einflüsse, die er im Lauf seiner Ausbildung assimilierte.

In seinen zwölf zwischen 1968 und 2001 geschriebenen Instrumentalkonzerten, die das finnische Label Ondine auf vier CDs in einer Box gesammelt vorlegt (die Einspielungen stammen aus den Jahren zwischen 1989 und 2005), widerspiegelt sich zudem die künstlerische Entwicklung Rautavaaras in verschiedenen Schaffensphasen: Sein Kennzeichen ist die Pluralität des Stils, das Chamäleonhafte.

Alle Konzerte – drei für Klavier, zwei für Harfe, je eines für Violine, Cello, Kontrabass, Flöte, Klarinette und Orgel, zudem eines für Vögel und Orchester (mit Gesängen arktischer Vögel ab Tonband) – folgen dem gleichen Schema: Einzelner gegen Gesellschaft. Ein Konzert, so hat Rautavaara geäussert, sei für ihn immer ein Drama, ein Konflikt zwischen Individuum und Kollektiv. Und alle sind sie expressiv, diese Concerti, effektvoll und virtuos, souverän und wirkungssicher instrumentiert, und sie stellen die klanglichen Qualitäten und technischen Möglichkeiten des jeweiligen Instruments in helles Licht.

Die stilistische Spannweite reicht von Neoklassizismus über Spätromantik und Neoromantik zur Postmoderne mit seriellen Elementen. Seit 1960 verzichtet er auf die Zwölftontechnik, bedient sich eines tonal verankerten, aber sehr autonom gehandhabten Stils. Rautavaara schöpft auch aus mystischen Überzeugungen, etwa im immer wieder aufgegriffenen Thema des Engels (das Kontrabass-Konzert trägt den Titel «Angel of Dusk») oder im Vogel-Konzert «Cantus Arcticus».

Mal ist der Klang opulent und eruptiv, mal schwebend, fragil und ausgedünnt, nicht immer frei von geschmäcklerischer Süsse, die Textur mal kompakt, mal pointillistisch. Stets nimmt die Musik ein durch markante Thematik, grosse Geste, kräftige Kontraste auf engem Raum, Farbenreichtum, durch kantige rhythmische Prägnanz und Ausdruckskraft.

Die Sammlung der zwölf Konzerte eignet sich dank hervorragender Interpreten und werkdienlicher Umsetzung der Partituren ausgezeichnet für eine vertiefte Beschäftigung mit der schillernden Welt Einojuhani Rautavaaras. (ws)

Einojuhani Rautavaara: 12 Concertos. Elmar Oliveira, Violine; Marko Ylönen, Cello; Esko Laine, Kontrabass; Reija Bister und Marielle Nordmann, Harfe; Patrick Gallois, Flöte; Richard Stoltzman, Klarinette; Kari Jussila, Orgel; Ralf Gothóni und Vladimir Ashkenazy, Klavier. – Helsinki Philharmonic Orchestra unter Leif Segerstam, Max Pommer und Vladimir Ashkenazy. Tapiola Sinfonietta unter Jean-Jacques Kantorow. Ostrobothnian Chamber Orchestra unter Juha Kanga. Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig unter Max Pommer. Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Jukka-Pekka Saraste. (Ondine ODE 1156-2Q; 4 CDs; 4h28’)

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