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Violinwerke von Rautavaara und Schnittke

07.10.2011 — Sie mögen in ihrer Biografie, den zeitbedingten Hintergründen und in ihrem Schaffen noch so verschieden sein – gemeinsam ist den Zeitgenossen Rautavaara und Schnittke die stilistische Vielfalt, die Synthese von Stilen in persönlicher Art.

Die Wege des Finnen und des Russen führten von Spätromantik und Neoklassizismus über die Dodekaphonie und serielle Methoden zu polystilistischen Techniken. Und beide bringen, offen für Grenzüberschreitungen, Elemente aus der Unterhaltungsmusik, der Volksmusik und dem Jazz ein.

Doch während Einojuhani Rautavaara, 1928 in Helsinki geboren, sein Œuvre unbeengt von politisch gesteuerten Einschränkungen schaffen konnte, arbeitete Alfred Schnittke (1934–1998) jahrzehntelang unter der Repression des sowjetischen Komponistenverbandes. Ab Mitte der Sechzigerjahre stiess sein Werk im Westen auf zunehmende Resonanz.

Aufschlussreiche Einblicke in die Entwicklung und die stilistische Mehrseitigkeit der beiden bieten ihre Werke für Violine und Klavier; sie umspannen bei Schnittke und Rautavaara vier Jahrzehnte.

Einojuhani Rautavaara, hervorgetreten durch 9 Opern, 8 Sinfonien, 12 Solokonzerte, Vokalwerke, Kammer- und Klaviermusik, gehört mit Joonas Kokkonen, Aulis Sallinen und Sven Einar Englund zur prominenten alten Garde der finnischen Komponisten nach Sibelius. Er sei geehrt und überrascht, sagte Rautavaara, wenn jemand in seinen Kompositionen etwas Lohnendes finde. «Aber, so unmoralisch es sein mag, grundsätzlich schreibe ich meine Musik für mich und niemand anderen. Ich benötige sie, um mein eigenes Universum zu bauen.»

Sein klingendes Universum, jenes nach den künstlerischen Anfängen geschaffene, schliesst dichte Atmosphäre und ausgeprägte Kontraste in sich, wirkt auch im Klangvolumen nie protzig, ist von deskriptiver und lyrischer Qualität, eine sensible Musik, versponnen, verhalten, brüchig, schüchtern, wie ein Selbstgespräch wirkend. Beispiel: «Lost Landscapes» (2005), eine Auftragskomposition von Midori, eine Ersteinspielung wie auch «Summer Thoughts» (1972/2008), «April Lines» (1970/2006) und «Dithyrambos» (1970). Das letztere sowie die ebenfalls virtuosen «Variétude» für Solovioline (1974) und «Notturno e Danza» (1993) sind Wettbewerbsstücke für den Sibelius Competition.

Aparte Zugabe: Sein berühmtestes Klavierwerk, «Pelimannit» (Die Fiedler) von 1952, basiert auf dem traditionellen Volkstanz Polska, gegeigt von einem Spielmann (pelimanni). Pekka Kuusisto stellt die sechs originalen Tänze jeweils den fantasie- und effektvoll stilisierten Klaviersätzen voran. Gemeinsam mit dem Pianisten Paavali Jumppanen ist dem Violinisten eine differenzierte Rautavaara-Hommage von beeindruckender Ausstrahlung zu verdanken.

Alfred Schnittke

Vielseitig ist auch Schnittkes Werkkatalog; er umfasst 3 Opern, 2 Ballette, eine grosse Anzahl an Filmmusiken, konzertante und sinfonische Kompositionen, darunter 10 Sinfonien, Kammer- und Klaviermusik. Seine vier Violin-Klavier-Sonaten, vier Entwicklungsstadien des Künstlers entstammend, könnten unterschiedlicher nicht sein.

Während die zweisätzige Sonate (1955) des 21-jährigen Studenten mit ihrer fliessenden Melodik und tonalen Verwurzelung an die Romantik anknüpft (das frühe Werk wurde erst nach dem Tod des Komponisten entdeckt), baut die 1. Sonate (1963), beeinflusst durch Schostakowitsch und Strawinsky, undogmatisch auf serielle und dodekaphonische Techniken, nimmt ein durch expressive Kantilenen, rhythmische Energie, Witz und Ironie.

Aufgebrochene Faktur mit vielen Generalpausen, Konfrontation des Streichinstruments mit dem perkussiven Charakter des Klaviers, fragmentierter Satz und leidenschaftliche Gesten kennzeichnen die 2. Sonate (1968). Die Kunst der Auslassung, leichtfüssiges Spiel der Andeutungen, der interagierenden Partner, introvertierte Intensität prägen die 3. Violinsonate (1994).

Die profilierten Interpreten aus den USA, Carolyn Huebl und Mark Wait, erschliessen mit bruchlosem Duospiel, nüancierter Technik und emotionaler Gestaltungskraft die Werke – jedes eine Welt für sich. (ws)

Einojuhani Rautavaara: Summer Thoughts. Works for Violin and Piano. Pekka Kuusisto, Violine, Paavali Jumppanen, Klavier. (Ondine ODE 1177-2; 71’. Booklet engl./finn.)

Alfred Schnittke: Complete Violin Sonatas. Carolyn Huebl, Violine, Mark Wait, Klavier. (Naxos 8.570978; 69’. Beiblatt engl.)

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