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Vokalmusik von Peñalosa und Sweelinck

10.02.2012 — Er zählt nicht zu den bekanntesten Komponisten der Renaissance, doch kommt seinem Schaffen Rang und Individualität zu. Francisco de Peñalosa (um 1470–1528), dessen Ausbildung im Dunkeln liegt, verschmolz experimentierfreudig und technisch meisterlich Elemente der weichen Klanglichkeit und Klangsinnlichkeit seiner Heimat mit dem strengen franko-flämischen Kontrapunkt Ockeghems und Josquins, dem Zeitgenossen des Spaniers.

Als Sänger war Francisco de Peñalosa hochberühmt, Kompositionen aus seiner Hand wurden 1510/11 in Sevilla kopiert, waren auf der Iberischen Halbinsel weit verbreitet, lagen jedoch erst nach seinem Tod gedruckt vor. Peñalosa (sein Vater war Gardekommandant bei Kolumbus’ zweiter Reise in die Neue Welt) entfaltete eine glanzvolle Karriere als Mitglied der Hofkapelle König Ferdinands des Katholischen, anschliessend an der Kathedrale von Sevilla (wo sich sein Grab befindet), ab 1511 als Kapellmeister des Infanten Don Fernando de Aragón, eines Bruders Kaiser Karls V., und von 1517 bis 1521 in der Kapelle von Papst Leo X.

Wohl nur in Teilen überliefert ist sein Werk, darunter weltliche Kompositionen, Messen, Magnificat-Vertonungen und eine Reihe von Motetten und Hymnen über die Passion Christi. Einen plastischen und berührenden Eindruck von Peñalosas Kunstfertigkeit ist dem Ensemble Gilles Binchois (fünf Vokalstimmen) und den Sacqueboutiers (vier alte Instrumente) unter der Leitung von Dominique Vellard zu verdanken.

In einem überlegt disponierten Programm bilden die fünf Teile der Missa «Nunca fue pena mayor» die Pfeiler; dazwischen entfalten Motetten, ein Hymnus und instrumental realisierte Stücke ihre eindrückliche, durch die akustischen und aufnahmetechnischen Qualitäten gestützte Wirkung. Die Bezeichnung der Messe übrigens basiert auf der adaptierten Melodie der weit verbreiteten weltlichen «canción» des Juan de Urrede «Nunca fue pena mayor» (Nie war grösseres Leid).

Sweelinck: Cantiones Sacrae

Dem Gesualdo Consort Amsterdam und seinem Gründer und Leiter, dem Bassbariton Harry van der Kamp, sei Dank: Erstmals liegt nun Jan Pieterszoon Sweelincks Vokalwerk im Rahmen einer drei Teile umfassenden Gesamtveröffentlichung auf CD vor. Erstaunlich die späte Ehre, die dem Vokalschaffen des Massstäbe setzenden Niederländers – Sweelinck lebte von 1562 bis 1621 – zuteil wird. Bemerkenswert nicht zuletzt, wenn man an die breite Rezeption seines Œuvres für Tasteninstrumente denkt, sich auch erinnert, dass Sweelinck vor allem nachhaltige Berühmtheit mit seinen über 250 Vokalwerken erlangt hatte, im besonderen mit der Vertonung der Psalmen Davids (1604–1621), des Genfer Psalters. Während die Vokalkompositionen zu Lebzeiten Sweelincks gedruckt wurden, sind die Instrumentalwerke nur in Abschriften seiner Schüler überliefert.

Teil III des Sweelinck Monument enthält die fünfstimmigen Cantiones Sacrae (1619) mit 37 Psalm-, Spruch-, Weihnachts- und Passionsmotetten, zudem eine Anzahl weiterer Motetten, vier Kanons und das fünfteilige Te Deum. Aus der solistischen Besetzung der Stimmen (nur eine Motette ist achtstimmig) ergibt sich ein flexibles transparentes Klangbild, in dem die melodischen und die harmonischen Finessen der Partituren beleuchtet werden. Sweelincks Cantiones Sacrae in emotional reichen Interpretationen: ein klingendes Denkmal von bleibendem Wert.
(ws)

Francisco de Peñalosa: Missa Nunca fue pena mayor. Ensemble Gilles Binchois. Les Sacqueboutiers. Leitung: Dominique Vellard. (Ausgezeichnetes Booklet, engl./ frz / dt./ span., lateinische Texte übersetzt in die vier Sprachen. Glossa GCD 922305; 59’)

Jan Pieterszoon Sweelinck: Cantiones Sacrae. Teil III des Sweelinck Monument mit dem kompletten Vokalwerk. Gesualdo Consort Amsterdam. Bernard Winsemius, Orgel. Leitung: Harry van der Kamp. (Informationsreiches Booklet, engl./ frz / dt., lateinische Texte in englischer Übersetzung. Glossa GCD 922406; 2 CDs; 147’)
Teil I der insgesamt 17 CDs umfassenden Sweelinck-Einspielung versammelt die weltlichen Werke – Chansons, Rimes, Madrigale –, Teil II die 150 Psalmen des Genfer Psalters. In den Niederlanden vertrieben wird eine limitierte Ausgabe der CDs mit sechs Büchern in Holländisch. Die Teile I und III sind für den internationalen Absatz mit Booklets ausgestattet.

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