Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Vokalwerke von Friedrich Theodor Fröhlich

09.02.2007 — Das hochoffizielle Historische Lexikon der Schweiz geht in seiner lakonischen Art mit Friedrich Theodor Fröhlich (1803-1836) recht ungnädig um: Was einst als Hauptwerk des Aargauer Zeitgenossen von Felix Mendelssohn und Kompositions-Schülers Carl Friedrich Zelters gegolten habe, sei nach neueren Erkenntnissen das Werk eines andern, nämlich des auch nicht viel bekannteren Johann Gottlieb Naumann. Und in anderen Manuskripten, die Fröhlich stilistisch zugeordnet würden, sei auch keine «persönliche Signatur» feststellbar. Trotz Unterricht, Chorgründungen und Konzerten habe das Wirken von Fröhlich überdies kaum Resonanzen ausgelöst. Auch privat schien Fröhlich seinem Namen keineswegs gerecht zu werden: Drückende Schulden, die Ehe mit der seiner Kunst wenig zugetanen deutschen Offizierstochter Ida von Klitzing und ein uneheliches Kind trieben ihn mit 33 Jahren in den Fluss.

Das Schicksal des schwärmerischen Lehrersohns aus Brugg zeigt einen Lebenslauf, der allerdings geradesogut aus unser Zeit stammen könnte: Gymnasium in Zürich, abgebrochenes Studium in Basel, ein Aufenthalt in Berlin in der Hoffnung, in der Metropole aus der scheinbaren provinziellen Enge ausbrechen zu können, das Gefühl von den Berliner Koryphäen nicht verstanden zu werden – Zelter wirft er mangelndes Verständnis für die Romantik vor – und eine Rückkehr, die es nicht mehr erlaubt, in der Heimat wirklich Fuss zu fassen.

Das macht nun denn doch neugierig darauf, was für Musik dabei entstanden ist. Die Antwort geben uns die Basler Vokalsolisten, die aus Anlass des 170. Geburtstages des Komponisten zwei Werkgruppen Fröhlichs eingespielt haben: vier Motetten und ein zwölfstimmiges Miserere mit Pianoforte-Begleitung.

Beim Miserere handelt es sich um eine zumindest formal durchaus originelle Arbeit: Da wechseln sich in symmetrischer Abfolge Soloarien, Ensembles und doppelchörige Sätze ab – unterstützt von einem continuoartigen Klaviersatz, der auf Fröhlichs barocke Vorbilder Bach und Händel zurückweist. Die Motetten wiederum stammen vom zweiten Berlinaufenthalt Fröhlichs, den ihm ein Stipendium der Aarauer Kantonsregierung ermöglichte – sowie aus seinen letzten Lebensjahren in Aarau.

Die Basler Vokalsolisten und der Tonmeister Andreas Werner der im Juni 2006 im Radiostudio Zürich enstandenen Einspielung beschönigen allerdings auch die Schwächen der Werke nicht: Die relativ trockene Akustik des Studios und die klare Diktion der Sängerinnen und Sänger führt zu einer transparenten Durchhörbarkeit von Fröhlichs Tonsätzen. Sie wirken gefällig, vermögen aber das Urteil des Historischen Lexikons nicht wirklich zu revidieren. Einige stimmliche Härten in den höheren Registern des Chores – vor allem in solistischen Partien – führen zur Einsicht, dass die Musik des Aargauer Lokalmatadors aus sich selber wenig Strahlkraft zu entwickeln vermag. (wb)

Friedrich Theodor Fröhlich: Vier Motetten für vierstimmigen gemischten Chor, Miserere für Chor, Solostimmen und Pianoforte, Basler Vokalsolisten (Leitung: Sebastian Goll), Mikayel Balyan (Hammerflügel), Musiques Suisses, MGB CD 6248, Bezugsquelle: www.musiques-suisses.ch

Schreibe einen Kommentar