von Wolfgang Böhler
Ein Wort geistert vermehrt durch die Medien, vor allem mit Blick auf die Sozialen Medien und ihre teils sonderbaren Gepflogenheiten der Kommunikation. Der Drang zu Mitteilung auch banalster Ereignisse und Handlungen provoziert immer häufiger Fremdschämen. Es scheint sich um eine neue Form pubertärer, lustvoll-schauriger und voyeuristischer Freude an einer Grenzüberschreitung zu handeln, wie sie früher skurrile Streiche unter Pfadfindern oder Blossstellungen in Schulklassen repräsentierten. Zum neuen Trend passt der unter Jugendlichen in Mode gekommene Ausdruck «Opfer» als herabsetzender Spottausdruck für Schwächere in der Gruppe. Auf der andern Seite scheinen Heranwachsende in ihrem Selbstdarstellungsdrang auf Plattformen wie Instagram, Whatsapp oder Facebook die Grenzen des Schicklichen (ja, ja, das ist ein braves und altertümliches Wort) häufig nicht mehr intuitiv richtig zu setzen.