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Teodor Currentzis Cosi fan tutte

Cover CD05.12.2014 — Gibt’s noch so etwas wie Provinz? Die Frage stellt sich, wenn im Opernhaus von Perm, tief im russischen Hinterland am Ural, eine Mozart-Produktion mit avantgardistischem Anspruch für den Weltmarkt produziert wird. Ungewöhnlich ist vor allem, dass gleich drei gewichtige Mozart-Opern, Cosi fan tutte, Le Nozze di Figaro und Don Giovanni  als Studioproduktionen realisiert werden. Weil die Kosten solcher Unternehmungen heute in aller Regel in keiner Weise mehr eingespielt werden können, gibt es das sonst fast nicht mehr. Dabei ist der Dirigent Teodor Currentzis, der das Projekt künstlerisch verantwortet, mit dem Wirkungskreis am Ural Europa im Vergleich zu seiner vorherigen Wirkungstätte sogar noch näher gerückt. Diese nämlich hat sich im sibirischen Nowosibirsk befunden. Für Sony Music scheint das Tryptichon im Klassikmarkt strategische Bedeutung zu haben. Das Label vermarktet es auf allen Kanälen und mehreren Medien, unter anderem auf CD mit aufwendigem Dekor, als Blu-Ray Audio, sogar auf Vinyl. So bekommt das Ganze fast schon einen glamourösen Anstrich.

 

Cover CD05.12.2014 — Gibt’s noch so etwas wie Provinz? Die Frage stellt sich, wenn im Opernhaus von Perm, tief im russischen Hinterland am Ural, eine Mozart-Produktion mit avantgardistischem Anspruch für den Weltmarkt produziert wird. Ungewöhnlich ist vor allem, dass gleich drei gewichtige Mozart-Opern, Cosi fan tutte, Le Nozze di Figaro und Don Giovanni  als Studioproduktionen realisiert werden. Weil die Kosten solcher Unternehmungen heute in aller Regel in keiner Weise mehr eingespielt werden können, gibt es das sonst fast nicht mehr. Dabei ist der Dirigent Teodor Currentzis, der das Projekt künstlerisch verantwortet, mit dem Wirkungskreis am Ural Europa im Vergleich zu seiner vorherigen Wirkungstätte sogar noch näher gerückt. Diese nämlich hat sich im sibirischen Nowosibirsk befunden. Für Sony Music scheint das Tryptichon im Klassikmarkt strategische Bedeutung zu haben. Das Label vermarktet es auf allen Kanälen und mehreren Medien, unter anderem auf CD mit aufwendigem Dekor, als Blu-Ray Audio, sogar auf Vinyl. So bekommt das Ganze fast schon einen glamourösen Anstrich.

 

Zugute halten kann man Currentzis und seiner Truppe Musica Aeterna ‒ wie den meisten Verfechtern historisch-informierten Musizierens ‒ dass sie mit grosser Sorgfalt, mit Perfektionismus und Aufmerksamkeit für alle Details der Interpretation an die Partituren herangehen. Da findet sich nichts Unentschiedenes oder achtlos Überspieltes. Quer in der Landschaft liegt die Interpretation aber nicht. Sie fügt sich ein in die derzeitige Alte-Musik-Mode, eher ruppig als sanft an die Sache heranzugehen. Die Fortepiani im Orchester etwa explodieren wie Feuerwerkskracher. Die Verwendung des Fortepiano ‒ exzellent gespielt von Maxim Emelyanychev ‒ anstelle des ansonsten flimmernden Cembalos unterstreicht den eher trockenen Klang. Sein Verwendung ist sicherlich eine der interessantesten Aspekte der Produktion.

 

Sängerisch wird auf durchwegs hohem Niveau agiert, ohne dass in diesem ästhetisch wichtigsten Bereich neue Aspekte der Mozart-Interpretation aufgezeigt würden. Allerdings kann man so hochkarätige Stimmen wie diejenige von Simone Kermes und Andrei Bondarenko geniessen. Ob damit wirklich eine neue Seite in der Interpretationsgeschichte der Mozart-Opern aufgeschlagen wird? Das wird wohl erst die Rezeptionsgeschichte zeigen. (wb)

 

 

Info :
Mozart: Le Nozze Di Figaro. Mit Andrei Bondarenko, Simone Kermes, Fanie Antonelou, Christian van Horn und andere, Ensemble Musica Aeterna, Teodor Currentzis (Leitung); 3 CD; Sony Classical.

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