16.07.2015 — Der amerikanische Dirigent, Cembalist und Musikwissenschaftler Alan Curtis, unter anderem Gründer des Ensembles Il Complesso Barocco, ist in Florenz im Alter von 80 Jahren verstorben.
16.07.2015 — Der amerikanische Dirigent, Cembalist und Musikwissenschaftler Alan Curtis, unter anderem Gründer des Ensembles Il Complesso Barocco, ist in Florenz im Alter von 80 Jahren verstorben.
Curtis setzte sich laut seiner Biografie auf der Sony-Webseite schon früh für historisch orientierte Aufführungen der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts ein und leistete Pionierarbeit bei der Wiederentdeckung vernachlässigter Meisterwerke des Barocks. Er studierte von 1957 bis 1959 bei Gustav Leonhardt in Amsterdam. Nach seiner Rückkehr in die USA promovierte er im Fach Musikwissenschaft an der University of Illinois und nahm dann seine Lehrtätigkeit am Musikinstitut der University of California auf.
Viele Jahre pendelte er zwischen Berkeley und Europa. In den letzten Jahrzehnten widmete er sich vorrangig der barocken Oper. Bei seiner Rekonstruktion von Monteverdis L’Incoronazione di Poppea in den 1960er Jahren in Berkeley wurde das Werk seit Jahrhunderten erstmals in der ursprünglichen Orchestrierung gespielt. Sein Debüt an der Mailänder Scala gab er 1980 als Dirigent von Händels Ariodante.
In St. Gallen, Lissabon und Spoleto brachte er 2005 Händels Fernando (Händels ursprüngliche Fassung von Sosarme) zur Erstaufführung. Beachtung erzielte er auch mit der Weltersteinspielung von Vivaldis spät wiederentdeckter und rekonstruierter Oper Motezuma. 1992 gründete er Il Complesso Barocco, ein Ensemble junger Sänger und Instrumentalsolisten, das sich mittlerweile vor allem auf das Repertoire der Barockoper spezialisiert hat. (cf)