08.01.2016 — Wie die Bayerische Staatsoper schreibt wollen die Erben Poulencs und Bernanos‘ zur Wiederaufnahme von Poulencs «Dialogues des Carmélites» eine Abänderung der Inszenierung oder ein Verbot der Aufführungen.
08.01.2016 — Wie die Bayerische Staatsoper schreibt wollen die Erben Poulencs und Bernanos‘ zur Wiederaufnahme von Poulencs «Dialogues des Carmélites» eine Abänderung der Inszenierung oder ein Verbot der Aufführungen.
Der Forderung der Erben, die kurz vor Weihnachten an die Leitung der Staatsoper herangetragen wurde, geht eine längere rechtliche Auseinandersetzung voraus. Schon zur letzten Wiederaufnahme des Werkes im November 2012 war in Paris eine Klage unter Berufung auf das Urheberpersönlichkeitsrecht anhängig, mit der weitere Aufführungen untersagt werden sollten. Ausserdem wurden die Produktionsfirma BelAir Media und der TV-Sender Mezzo verklagt – mit dem Ziel, den Vertrieb der DVD und die Ausstrahlung der in München aufgezeichneten Aufführung zu unterbinden.
Die Nachkommen sind der Auffassung, dass die Umsetzung der Schlussszene durch den Regisseur Dmitri Tcherniakov das Werk von Bernanos und Poulenc abwandelt und entstellt. In der Neuinterpretation des russischen Regisseurs, die im März 2010 Premiere hatte, rettet die Hauptfigur Blanche de la Force ihre Mitschwestern vor dem Tod und kommt als Einzige ums Leben. Nach Meinung der Erben muss der Märtyrertod aller Nonnen zwingend szenisch umgesetzt werden, um die Kernaussage des Werkes zu treffen.
In erster Instanz wurde die Klage abgewiesen. Das Tribunal de Grande Instance de Paris stellte ausdrücklich fest, dass die Inszenierung die Themen, die den Kern des Werks bilden, respektiert. In zweiter Instanz vor dem Cour d`Appel de Paris (Berufungsgericht) wurde die Klage gegen die Staatsoper erneut abgewiesen. Stattgegeben wurde der Klage in Bezug auf die Sendungen durch Mezzo-TV und den Vertrieb der DVD.
Nikolaus Bachler, Intendant der Bayerischen Staatsoper, besteht auf der künstlerischen Freiheit. In der Hand der Künstler seine grosse Werke besser aufgehoben als in den Händen der Erben, zitiert ihn die Staatsoper. Bühnenkunst werde durch freie Interpretation am Leben erhalten, nicht durch vermeintliche Rechtsansprüche. (cf)