18.08.2016 — Ein Hannoveraner Team von Musikpsychologen hat getestet, ob Hörer Wiedergaben von Orchestermusik mit Hilfe samplebasierter Klangbibliotheken und echter Orchester unterscheiden können. Fazit: Computer können Orchester (noch) nicht verlustfrei ersetzen.
18.08.2016 — Ein Hannoveraner Team von Musikpsychologen hat getestet, ob Hörer Wiedergaben von Orchestermusik mit Hilfe samplebasierter Klangbibliotheken und echter Orchester unterscheiden können. Fazit: Computer können Orchester (noch) nicht verlustfrei ersetzen.
Der Einsatz virtueller Instrumente ist vor allem in den Bereichen Filmmusik, Musical oder Popmusik mittlerweile selbstverständlich, Sind Klangbibliotheken aber auch für die Wiedergabe im Bereich klassischer Musik geeignet? Die Probe aufs Exempel hat eine hochschulübergreifende Arbeitsgruppe um Reinhard Kopiez, Professor für Musikpsychologie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und Leiter des Hanover Music Lab (HML), gemacht.
Das Ziel war es zu bestimmen, wie nah das Klangerlebnis moderner virtueller Orchesterklangbibliotheken (Orchestra Sample Libraries) an das Erlebnis einer von professionellen Orchestern eingespielten Vergleichsaufnahme kommt. Dazu wurden zehn kurze Abschnitte ausgewählt, die entweder einer Aufnahme der Berliner Philharmoniker entstammten oder mit Hilfe der Vienna Symphonic Library (dem Marktführer unter den virtuellen Orchesterbibliotheken) detailliert nachgebaut wurden.
602 Probanden beurteilten, ob es sich bei Ausschnitten aus Stravinskys «Le Sacre du Printemps» um Orchesteraufnahmen oder Computerrealisationen handelt. In durchschnittlich 72,5 Prozent aller Beispiele konnten die Herkunft aller Hörbeispiele korrekt bestimmen. Die Unterscheidungsleistung hing laut der Mitteilung des Teams vor allem von der Hörexpertise und der Bekanntheit des Musikstücks ab.
Die Forscher kommen zum Schluss, dass die Entwicklung virtueller Instrumente schon ein sehr hohes Niveau erreicht hat, dass aber damit die Wiedergabe anspruchsvoller klassischer Orchestermusik (noch) nicht verlustfrei ersetzt werden kann. (cf)