05.12.2017 — Was reizt uns an einem Musikstück, das negative Emotionen in uns hervorruft? Forscher des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik haben ein psychologisches Erklärungsmodell für dieses scheinbar paradoxe Phänomen entwickelt.
05.12.2017 — Was reizt uns an einem Musikstück, das negative Emotionen in uns hervorruft? Forscher des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik haben ein psychologisches Erklärungsmodell für dieses scheinbar paradoxe Phänomen entwickelt.
Das Modell enthält zwei Faktoren. Der erste Faktor war bereits gut untersucht: Wir ordnen die Wahrnehmung von Kunstwerken in eine andere Kategorie von Erlebnissen ein als die der alltäglichen Realität. Diese kognitive Distanzierung schafft eine Art Sicherheitsraum, in dem wir negative Emotionen erleben können. Der zweite Faktor enthält Mechanismen, kraft deren negative Emotionen zur Kraftquelle intensiven Kunsterlebens werden können.
Künstlerische Kompositionen, die uns in Wechselspiele positiver und negativer Gefühle verwickeln, werden als abwechslungsreicher, spannender und interessanter wahrgenommen. Zudem haben gemischte Gefühle, die positive und negative Anteile enthalten, eine grosse Bedeutung für die Integration negativer Gefühle in die positive Betrachtungslust. So empfinden wir etwa tiefes emotionales Bewegtsein auch dann als positiv und lustvoll, wenn es traurige Gefühle enthält.
Dazu kommt, dass auch die ästhetische Kraft der Darstellung selbst (zum Beispiel die Schönheit der Musik, der Worte, der Sprache, Farben) negative Emotionen sowohl intensiver als auch positiver erlebbar macht. Und schliesslich kann die Suche nach einer Bedeutung ebenfalls in negativen Gefühlen etwas Positives entdecken.
Originalpublikation:
Menninghaus, W., Wagner, V., Hanich, J., Wassiliwizky, E., Jacobsen, T., & Koelsch, S. (2017). The Distancing–Embracing model of the enjoyment of negative emotions in art reception. Behavioral and Brain Sciences, 1-58. doi:10.1017/S0140525X17000309