09.02.2004 — Nicht dass innerhalb von zwölf Jahren schon der ganze Inhalt eines Lexikons überholt wäre. Doch ergeben sich in dieser Zeitspanne verständlicherweise mancherlei Änderungen, personelle wie sachliche. Horst Weber, Herausgeber des 1991 im Metzler-Verlag erstmals vorgelegten Komponisten-Lexikons, hat der 2. Auflage nicht nur eine neue Gestalt gegeben, sondern auch einen in Vielem erweiterten und aktualisierten Inhalt.
Auf gut 700 Seiten versammelt das Lexikon, das auf Abbildungen verzichtet, 350 werkgeschichtliche Porträts vom Mittelalter (Perotinus, gestorben Mitte des 13. Jahrhunderts) bis zur Gegenwart (Matthias Pintscher, geboren 1971, und Olga Neuwirth, 1968). Für diese Zweitauflage wurden 60 Artikel neu geschrieben, 40 davon sind Erstaufnahmen. Die Beiträge stammen aus der Feder von 127 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, vereinzelt auch aus Italien, Spanien und den USA.
Was die Auswahl betrifft, merkt Horst Weber, Professor für Musikwissenschaft an der Folkwang Hochschule Essen, im Vorwort an: «Kontingente für Epochen, Stile und Nationen bilden das Gerüst, das notwendig subjektive Entscheidungen stützt. Ein deutlicher Akzent auf der Musik des 20. Jahrhunderts ist bewahrt.» Erfreulich auch, dass 15 Komponistinnen, die Mehrzahl davon lebende, Aufnahme gefunden haben.
Das Komponisten-Lexikon verzichtet bewusst auf detailreiche Lebensläufe. Es richtet den Fokus auf das Komponieren, zieht Biografisches nur bei, wenn es der Erhellung des künstlerischen Werdegangs dient. Ausgeleuchtet werden der Entwicklungsweg, das Schaffen samt den Vorbildern, Motivationen, theoretischen Fundamenten und geschichtlichen Hintergründen, das künstlerische Anliegen, zentrale Inhalte wichtiger Kompositionen, die Rezeption und die Wirkungen auf die Mit- und die Nachwelt.
Die Beiträge von unterschiedlicher Länge lesen sich dank dem Zweispaltensatz nicht nur angenehm, sie sind auch in klarer, gut verständlicher Sprache abgefasst. Ergänzende Angaben weisen am Schluss der Essays hin auf Noten, Dokumente, Werkverzeichnis, Bibliographie, Periodica und Literatur. (ws)
Horst Weber (Hrsg.): Komponisten-Lexikon. 350 werkgeschichtliche Portraits. Zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage. Gemeinschaftsausgabe mit Bärenreiter. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 2003. 715 Seiten. € 49,95. Fr. 80.