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Die Chancen des Webs für Musiker

Von Wolfgang Böhler

 

15.08.2008 — Im September sind es fünf Jahre, seit Codex flores online gegangen ist. Von Beginn weg wollte das Magazin das Bewusstsein stärken, dass Kunstmusik nicht nur der Entspannung dient, sondern genauso ein überaus spannendes Projekt der Erforschung von menschlicher Sinnlichkeit, Emotionalität und Weltwahrnehmung ist. Eine hochklassige Musikkultur darf sich nicht darin erschöpfen, als Teil der Luxusgüter- und Unterhaltungsindustrie Feierabendvergnügen und Wohlfühloasen zu bieten. Vielmehr muss sie sich als Teil eines ernsthaften Strebens nach mehr Wissen über die Welt verstehen. Mit den Mitteln der Kulturpolitik muss sie sich die Erfüllung dieser Aufgabe ökonomisch und gesellschaftlich immer wieder neu erstreiten.

Deutschsprachige Universitäten, Fachhochschulen, anspruchsvolle Festivals, Konzertreihen und innovative Unternehmerpersönlichkeiten tun in dieser Hinsicht viel. Ihre Aktivitäten einem breiteren Publikum näherzubringen und damit den öffentlichen Dialog anzuregen, ist eines unserer wichtigsten Anliegen. Daneben haben wir uns zum Ziel gesetzt, das Internet als Überbringer von hochklassigem Journalismus zu erobern. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen, die wir in dem halben Dezennium aus Leserkreisen erhalten haben, und das Vertrauen, das uns unsere Inseratekunden entgegenbringen, zeigen uns: Wir sind damit auf dem richtigen Weg.

In diesem ständigen Dialog haben wir unsere eigenen, dem Web angemessenen Formen der Informationsvermittlung und Kritik entwickelt. Wir haben dabei viele praktische Erfahrungen darüber gesammelt, was im Web funktioniert und was nicht und wer in der Musikbranche wie kommuniziert. Auf einigen Gebieten haben uns unsere eigenen Erfahrungen dabei zu andern Schlüssen kommen lassen als die in trendige Schlagwörter wie «Web 2.0» oder «Citizen Journalism» verpackten Mythen über Inhalte im Internet. Und wir sehen heute auch immer klarer, wie auf allen Seiten vieles mit ein wenig Aufwand (noch) besser gemacht werden könnte.

Dieser einzigartige Erfahrungsschatz findet sich weder in Lehrbüchern noch Lehrplänen traditioneller Medien- und Managementausbildungen. Anlässlich unseres Jubiläums wollen wir unsere wichtigsten Erkenntnisse deshalb im Rahmen einer Tagung weitergeben − um unseren Kunden und Lesern zu helfen, wirklich tragfähige Konzepte für die eigene Nutzung des Webs als Marketing- und Kommunikationskanal zu entwickeln. Der Anlass findet am 11. Oktober 2008 an unserem neuen Redaktionsstandort Solothurn statt − einer Stadt, die ideal zwischen den Zentren des Schweizer Musiklebens gelegen und deshalb von allen Seiten und auch aus Süddeutschland schnell erreichbar ist.

Mit von der Partie sind der ausgewiesene Web- und Google-Spezialist Daniel Ritschard, der Medienwissenschaftler Holger Schramm, der sich als Gastherausgeber des m&k-Sonderbands zu Musik und Medien (siehe Rezension) als versierter Kenner der Materie erwiesen hat, und als Vertreterin der traditionellen Printmedien und der Verbandskommunikation Katrin Spelinova, Chefredaktorin der Schweizer Musikzeitung. Wir hoffen, mit der Tagung die wichtige Brücke zwischen Musikprofis und Internetszene zu schlagen und einen Ort der Begegnung zu schaffen, an dem der unerlässliche Dialog von Kultur-, Technologie-, Medien- und Marketingspezialisten angeregt wird. Dürfen wir auch Sie an dem Anlass begrüssen? (wb)

Der Musikphilosoph Wolfgang Böhler (M.A.) studierte an der Universität Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.

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