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Filmmusik im Schulunterricht

21.12.2005 — Eigentlich ist es schwer nachzuvollziehen: Kaum eine andere Musik ist im Leben Heranwachsender so allgegenwärtig wie die Untermalung von Filmen. Damit nicht genug. Die musikalische Begleitung von szenischem Geschehen auf Leinwand und Mattscheibe kann als so etwas wie ein «Stein von Rosetta» für das Verständnis vieler zentraler Fragen rund um die Ausdruckskraft der klingenden Kunst verstanden werden. Obwohl sich Pädagogen hier also eine beinahe ideale Spielwiese präsentiert, nimmt die Filmmusik im Musikunterricht kaum eine herausragende Rolle ein. Zu tun hat das damit, dass die Gattung im deutschen Sprachraum in etwas verkrampfter ideologischer Manier lange Zeit als «Mittel der Manipulation» verteufelt worden ist.

Mit derartigen Dummheiten räumt Christa Lamberts-Piels Buch Filmmusik und ihre Bedeutung für die Musikpädagogik in verdankenswerter Weise auf. Aber nicht nur wegen seiner zeitgemässen Tonalität ist der Band empfehlenswert. Die vielfältigen Materialen dürften ihn im Schulalltag auch zu einem hilfreichen Begleiter machen. Er umfasst unter anderem ein knappes, aber das Wesentliche treffendes Glossar der Terminologie der Filmmusik, eine akribische Diskussion vorhandener Lehrmittel und ihrer Schwächen, Daten einer empirischen Untersuchung zur Rolle der Filmmusik im real existierenden deutschen Schulalltag und eine detaillierte Konzeption von Unterrichtseinheiten zum Thema.

In der Diskussion bereits vorhandener Lehrmittel nimmt Lamberts-Piel die einschlägigen Bände aus folgenden Reihen unter die Lupe: Arbeitsbuch für den Musikunterricht und Die Musikstunde (Diesterweg), Banjo, Hauptsache Musik, Spielpläne (Klett), Musik hören machen, verstehen, Musik-Kontakte, Musikland, Musik um uns, Soundcheck (Hirschgraben, Metzler und Schroedel) und Rondo (Mildenberger). Ob die dezidierten Urteile gerecht sind, kann im Rahmen einer solchen Rezension natürlich nicht verifiziert werden; die Sorgfalt, welche die Autorin dem Gegenstand im Allgemeinen angedeihen lässt (einziger prima vista bemerkter Ausrutscher: in der Abbildung 26 sind die Taktstriche etwas durcheinandergeraten), spricht jedoch dafür, dass man ihrem Scharfblick durchaus Vertrauen entgegenbringen darf.

Die explizit als Programm skizzierte Eingrenzung des Stoffes auf die Musik grossen Kinofilme kann allerdings als etwas allzu einengend empfunden werden. Gerade die Musik zu den allgegenwärtigen Fernseh-Soaps oder zu Werbefilmen gibt doch wunderbaren Stoff für lehrreiche Lektionen und Einführungen ins Thema ab, nicht zuletzt weil sie zum Teil so grauenhaft schlecht, lieblos und billig daherkommt. Was hier schief läuft, schärft einerseits das Gehör für echte Qualität, anderseits kann es dem einen oder andern den gedankenlosen Konsum der Dutzendware nachhaltig vergällen.

Praktiker auf der Suche nach Materialen dürften zudem beklagen, dass eine Fülle von nützlichen Hinweisen in dem Buch eher unsystematisch – etwa in Fussnoten – gelistet ist, was dessen Brauchbarkeit als Nachschlagwewerk im hektischen Berufsalltag etwas beeinträchtigen dürfte.

Für Lehrkräfte auf der Suche nach praktischen Anregungen für die Gestaltung von Lektionen dürfte das Interesse an dem Band proportional zur Zahl der bewältigten Kapitel steigen. Die spannenden Teile finden sich am Schluss, der etwas langatmig anmutende Überblick über die theoretische und praktische Literatur zum Thema erweckt hingegen eher den Eindruck akademischer Pflichtübung. Ungeduldigen wird deshalb empfohlen, die Kapitel 2 und 3 zunächst zu überspringen. (wb)

Christa Lamberts-Piel: Filmmusik und ihre Bedeutung für die Musikpädagogik, Forum Musikpädagogik, Band 69, Wissner Verlag Augsburg 2005. Bei Amazon kaufen

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