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Händels «Messias»

20-02-2009 — Uraufgeführt wurde Händels populärstes Oratorium, entstanden 1741 in nur 24 Tagen, nicht in London, wo der Stern des Komponisten am Sinken war, sondern – im April 1742 – in Dublin. Der (lokale) Erfolg war enorm, immerhin der Substanz des Opus zu verdanken, nicht etwa der Grösse des Chors, der nur etwa zwanzig Stimmen umfasste.

1743 stellte Händel das Werk ohne seinen Titel, angekündigt als «A New Sacred Oratorio», auch in der Hauptstadt vor. Die Resonanz hielt sich in Grenzen, ebenfalls bei den Wiederaufnahmen von 1749 und 1750 im Covent Garden Theatre. Der Durchbruch stellte sich erst nach Aufführungen im Mai 1750 in der Kapelle des Londoner Foundling Hospital ein, und seither hat sich der «Messias» international als eines der populärsten Oratorien durchgesetzt.

Andreas Waczkat, Professor für Historische Musikwissenschaft an der Universität Göttingen, befasst sich in seinem in der Reihe der Bärenreiter Werkeinführungen vorgelegten Band über Händels «Messias» mit allen wichtigen Aspekten des Themas, dessen Materialfülle er gut gliedert, überschaubar konzentriert und sprachlich sorgfältig darstellt. Fast überflüssig zu erwähnen, dass sämtliche relevanten Quellen beigezogen und kritisch reflektiert werden (so die Werkbetrachtungen von Steglich, Serauky, Larsen, Burrows und aufführungspraktische Erkenntnisse).

Auch wer mit Händels Biografie wenig vertraut ist, findet hier die wichtigsten Koordinaten, so im ersten Teil dieser Einführung, in dem Händels englische Jahrzehnte und die Entstehungsgeschichte des «Messias» resümiert sind. In Teil zwei nimmt Waczkat das Libretto von Charles Jennens und die Musik des dreiteiligen Oratoriums in den Fokus, erläutert und interpretiert Satz für Satz Aufbau und musikalische Gestaltung, die theologischen Aspekte, Stilvorbilder und Stilpluralität.

Inhaltliche Deutung des Texts und die Betrachtung der jeweiligen Kompositionsmerkmale greifen ineinander, wobei nicht Werkanalyse im engeren Sinn intendiert ist, sondern eine «detaillierte Beschreibung, die das Hören, Musizieren und Lesen der Musik strukturieren soll», wie der Verfasser betont. Dem entsprechend ist das Beiziehen der Partitur bzw. des Klavierauszugs nicht vordringlich.

Am Beginn der einzelnen Abschnitte wird der englische Originaltext samt deutscher Übersetzung zitiert, ergänzt mit den Besetzungsangaben. Zu wichtigen Einzelheiten der anschliessenden Besprechung treten Notenbeispiele.

Teil drei des Buches ist der Wirkungsgeschichte des «Messias» gewidmet, jener in England nach Händels Tod und einlässlich mit Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Raum (erste deutsche Fassungen, Klopstocks «Messias»-Epos, Telemanns Vertonung, Mozarts «Messias»-Bearbeitung).

«Der Blick auf Händels unterschiedliche Einrichtungen des ,Messias’ zeigt, dass es eine ,definitive’ Fassung des ,Messias’ nicht gibt. Weder ist eine lineare Entwicklung hin zu einer optimalen Fassung zu erkennen, noch lassen sich alle Bearbeitungen als Reaktion auf äußere Bedingungen interpretieren». Im Schlusskapitel vergleicht Andreas Waczkat die «Messias»-Fassungen und -Editionen anhand einer übersichtlichen tabellarischen Auflistung. Im Anhang finden sich Verzeichnisse der Ausgaben und der Literatur.

Zitat aus dem Buch:
«Wie sehr der ,Messias’ noch vor anderen Oratorien Händels, erst recht vor denen anderer Komponisten, zum Idealfall des Repertoires wurde, lässt sich auch anhand der Zahl der Übersetzungen ermessen. […] Neben den englischsprachigen Originaltext traten ab 1768 italienische, deutsche, schwedische und sogar lateinische Fassungen, die zu ungezählten Aufführungen herangezogen wurden. Beiläufig, fast zufällig hatte die musikalische Öffentlichkeit auf diesem Wege Händels ,Messias’ als jenes Werk entdeckt, in dem das musikalische Interesse der bürgerlichen Chorvereinigungen und das politische Streben nach nationalstaatlicher Verbundenheit eine Allianz eingingen.» (Seite 13)
(ws)

Andreas Waczkat: Georg Friedrich Händel – Der Messias. Bärenreiter Werkeinführungen. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2008. 146 Seiten. € 14,95. Fr. 26.90.

Siehe auch:
Händel und seine Zeitgenossen
Händels Oratorium «Theodora»
Musik-Konzepte: Händel unter Deutschen

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