06.06.2006 — «… die Musik ist vielleicht das letzte Wort der Kunst, wie der Tod das letzte Wort des Lebens.» Das Zitat aus Heinrich Heines «Lutezia» steht in der Verkürzung «Das letzte Wort der Kunst» als Titel über der Doppelausstellung «Heinrich Heine und Robert Schumann zum 150. Todesjahr», die in Düsseldorf, in der Kunsthalle und im Heinrich-Heine-Institut, am 11. Juni 2006 zu Ende geht. Der reich illustrierte Begleitband versammelt kurze Essays von 33 Expertinnen und Experten zu Heine und Schumann, zu deren Leben und Schaffen, zu den vielfältigen gegenseitigen Beziehungen, Gemeinsamkeiten und Unterschieden, zu Freundschaften, ebenso zum künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Aufbruch in ihrer Epoche.
Schumann, gut zehn Jahre jünger als Heine, traf den Dichter persönlich nur einmal, am 8. Mai 1828 in München. Intensiv beschäftigte er sich allerdings mit dessen Werken – die bekanntesten unter Schumanns über vierzig Heine-Vertonungen sind der «Liederkreis» und die «Dichterliebe».
Düsseldorf war für beide Künstler eine wichtige Lebensstation; Heine verbrachte dort seine Kindheit und Jugend (1797–1816), Schumann arbeitete in der Stadt am Rhein bis zu seiner schweren Erkrankung (1850–1854). Viele Dokumente des Dichters und des Komponisten befinden sich im Bestand von Archiv und Museum des Heinrich-Heine-Instituts Düsseldorf.
Gleich einem farbigen Mosaik fügen sich in diesem Lesebuch zur Gedenkausstellung die in vier Teile gegliederten Beiträge zu Zeit- und Persönlichkeitsbildern, inhaltlich vom Allgemeinen zum Besonderen fortschreitend.
Berührungen des Dichters und des Dichter-Komponisten sind herausgearbeitet am Münchner Treffen von 1828, an ihren Aufenthalten in Bonn, ihrem konträren Musikverständnis, an der Konfrontation der Meinungen über Meyerbeers «Hugenotten», an der Figur des Faust, an Schumanns Heine-Vertonungen, der Aufwertung des Phantastischen und des Traums, an Krankheitsbild, Siechtum und Sterben, Spätwerk, Nachruhm und Wirkungsgeschichte.
Untersuchungen zu Schumann befassen sich unter anderem mit seinem musikästhetischen Denken, der neuen Bewertung des Spätwerks, mit dem Melodram «Manfred», mit Schumanns Melancholie und der Rezeption seiner Heine-Lieder.
Zu Heine finden sich Essays über die Resonanz anderer Künste in seinen Texten, die Werkfassungen der «Dichterliebe», Chopin als Seelenverwandten, die Beziehung zu Georg Weerth, die Sterbe-Kunst in den «Lazarus»-Gedichten, Heines Grab in Paris, das Denkmalprojekt in Düsseldorf, Romane über Heine und Adornos Heine-Vortrag von 1956.
In einem fünften Teil kommen Aspekte und Überlegungen zur Konzeption der Ausstellung und über die freien Arbeiten von Klassen der Düsseldorfer Kunstakademie als Echo auf Heine und Schumann zur Sprache.
Der vielstimmige Band, ein gewichtiger Beitrag zur Heine- und Schumann-Forschung, nimmt ein durch überraschende Perspektiven auf Leben und Schaffen der im gleichen Jahr 1856 verstorbenen Künstler, beleuchtet bisher unbeachtete Parallelen, bringt neue Fakten zur Darstellung und bietet persönliche Einsichten und Interpretation. (ws)
Joseph A. Kruse (Hrsg.): «Das letzte Wort der Kunst». Heinrich Heine und Robert Schumann zum 150. Todesjahr. Begleitband zur Düsseldorfer Gedenkausstellung. Gemeinschaftsausgabe der Verlage J. B. Metzler, Stuttgart, und Bärenreiter, Kassel 2006. 478 Seiten. € 24,95. Fr. 39.-. Bei Amazon kaufen