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Karl Amadeus Hartmann

19.03.2005 — Aufführungen von Werken Carl Orffs zwischen 1933 und 1944 im In- und im Ausland: 43.

Aufführungen von Werken Werner Egks zwischen 1933 und 1944 im In- und im Ausland: 26, zudem über 50 Wiederholungen.

Aufführungen von Werken Karl Amadeus Hartmanns zwischen 1933 und 1944 im Inland: keine. – Im Ausland: 7 bis 1940, dann bis Kriegsende keine mehr.

Diese Zusammenstellung aus dem vorliegenden Band, entnommen dem Beitrag von Barbara Haas über die Münchner Komponisten-Trias, dokumentiert die Ausnahmestellung Karl Amadeus Hartmanns: Als politisch hellhöriger, seinem Gewissen verantwortlicher Künstler verweigerte er den Kotau vor den Herrschenden, setzte gegen deren menschenverachtende Brutalität in seinem Werk «eine Stimme, die Schönheit beschwören und vor der gefährlichen Verstrickung in Zwist, Dummheit, Krieg und menschliche Untergangs-Hybris nachdrücklich warnen will», wie Ulrich Dibelius urteilt, der Herausgeber dieser Publikation, der ersten, die Hartmanns Gesamtwerk in seiner Vielseitigkeit und seinen Wandlungen darstellt und interpretiert.

Die Vielstimmigkeit von Karl Amadeus Hartmanns Œuvre findet eine Entsprechung in der Anlage des mit Fotodokumenten und Notenbeispielen bereicherten Bandes: In zehn Kapiteln prominenter Autoren gelangen alle wichtigen Aspekte zu Leben und Werk des Komponisten zu profilierter Erläuterung. Dabei führen einzelne Überschneidungen in der Behandlung von Werken durchaus nicht zu Wiederholungen, sondern zu anderen Blickwinkeln und Färbungen.

Selbstzeugnisse von Karl Amadeus Hartmann, geboren am 2.August 1905, gestorben am 5.Dezember 1963 in seiner Geburtsstadt München, eröffnen die Werkbiografie («Über mich selbst und meine Arbeit»).

Die humanistische Wende, die Hartmann 1933 vollzog, charakterisiert Egon Voss in seinem Beitrag über kompositorische Vorbilder und das Frühwerk für kleine Besetzung: «Thema war nun: Empörung über das Unrecht, das Menschen angetan wird, Anklage, Solidarität mit den Opfern von Gewalt und Barbarei, Mitleid, Trauer. Und dieses Thema blieb Hartmanns Hauptthema.» Betrachtungen zum frühen Schaffen widmet sich auch Christoph Lucas Brehler, der die gesellschaftliche und politische Einstellung Hartmanns, dessen Beschäftigung mit Folklore und jüdischer Musik herausarbeitet.

Den Hang zum Anarchismus, die innere Emigration und den passiven Widerstand des Komponisten behandelt Hartmut Lück, der auch der politischen Stellungnahme und den politisch-sozialen Botschaften in Hartmanns Werk nachgeht.

Andreas Jaschinski stellt Hartmanns zentralen sinfonischen Werkkorpus in den Mittelpunkt seiner Untersuchung der acht Sinfonien (Entstehung, Werdegang, Umarbeitungen, Gattungsverständnis; inkl. Tabelle Chronologie der Sinfonien).
Zur frühen Entwicklung von Hartmanns Sinfonik liefert Andrew D. McCredie in seinem Artikel neue, auf postume Funde basierende Erkenntnisse. Barbara Zuber beleuchtet das Spätwerk Hartmanns. In einer detaillierten Analyse erschliesst Rüdiger Behschnitt Urfassung (1934/35) und Neufassung (1956) von Hartmanns Oper «Simplicius Simplicissimus».

Einen Blick in die kompositorische Werkstatt wirft Hanns-Werner Heister im Beitrag «Konstanz und Wandel. Zu Hartmanns konzertanten Werken zwischen 1930 und 1955». Barbara Haas befasst sich – wie eingangs erwähnt – mit der Münchner Komponisten-Trias und dem «nicht immer unproblematischen Verhältnis zwischen Orff, Egk und Hartmann».

Äussere Anregungen und ihre kompositorische Umsetzung thematisiert Ulrich Dibelius in seinem Beitrag «Musik als Selbstzeugnis. Hartmanns gelebte und komponierte Wirklichkeit».

Wertvolle persönliche Erinnerungen an Hartmann tragen seine Frau Elisabeth (1913–2003) in 1994 geführten Gesprächen mit Ulrich Dibelius bei sowie Richard P. Hartmann («Mein Vater und mein Onkel, der Maler»; gemeint ist Adolf Hartmann, 1900–1975).

Der nach Daten geordnete biografische Überblick und das Werkverzeichnis beschliessen den Sammelband, der Leben und Schaffen eines der bedeutenden, charakterlich integren deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts gerade auch für eine jüngere Generation Musikinteressierter auf facettenreiche und eindringliche Weise entschlüsselt und in grössere Zusammenhänge bettet. (ws)

Ulrich Dibelius (Hrsg.): Karl Amadeus Hartmann. Komponist im Widerstreit. Mit vielen Abbildungen und Notenbeispielen. Bärenreiter Verlag, Kassel 2004. 347 Seiten. € 29,95. Fr. 53.90.

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