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13.04.2007 — Mancher einflussreiche und ästhetisch bedeutende Künstler schafft sich die für echte kreative Arbeit nötigen Freiräume, und dies häufig entgegen aller wirtschaftlicher Vernunft. Wenn er nicht das Glück hat, zur gerade angesagten ästhetischen Haute-Volée zu gehören, ergattert er sich zum Überleben mal hier, mal dort einen Auftrag. Ansonsten lebt er von Schulterklopfen und Bewunderung seiner Verehrer, mit der er sich beim Bäcker allerdings kein Brot kaufen kann. Solch freies Künstlerleben mag in jungen Jahren viel Verlockendes an sich haben, irgendwann einmal kommt aber jeder in die Jahre, und nicht allen ist es vergönnt, bis ins hohe Alter gesund, produktiv und motiviert zu bleiben.
Für dieses Problem suchen die politischen Vertreter der Kultur zur Zeit eine zukunftsträchtige Lösung. Sie haben den Bund aufgefordert, sich dazu ein paar grundsätzliche Gedanken zu machen. Der Aufgabe hat er sich mit dem kürzlich veröffentlichten Bericht «Die soziale Sicherheit der Kulturschaffenden in der Schweiz» entledigt. Er kommt dabei – im Gegensatz zum Gesetzgeber in Deutschland – zum nicht minder grundsätzlichen Schluss, dass es sich nicht um sein Bier handelt, auch wenn er signalisiert, dass er Privaten, die das Problem lösen möchten, durchaus unter die Arme zu greifen bereit ist (siehe dazu das Codex flores Feature).
Sicher gut beraten ist die «Kreativwirtschaft», wenn sie das Problem in einem weiteren Zusammenhang sieht und auch in Branchen Kooperationen oder Unterstützung sucht, die ähnliche Strukturen aufweisen. Dies sind neben den Medien auch die IT. Ein interessantes Projekt am Institute Cultural Studies der Zürcher Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich zum Thema «Neue Selbständige in IT, Medien und Kultur. Chancen und Risiken einer neuen Erwerbsform» dürfte hier aufschlussreiche Basisinformationen liefern (Infos dazu finden sich unter ics.hgkz.ch .
Allerdings existiert – im Rahmen der überobligatorischen Vorsorge – bereits heute ein Angebot der Schweizer Musikschulen, das auch selbständige Musiker in Anspruch nehmen können, wenn sie einem anerkannten Verband angehören. Auskunft über die Details dazu bietet die Webseite www.musikervorsorge.ch
Um mittel- oder langfristig flexiblere und vom Verbandswesen unabhängigere Lösungen zu finden, sollten aber auch unkonventionelle Lösungen in Betracht gezogen werden. In der bildenden Kunst existiert mit dem Artist Pension Trust (zu finden unter www.aptglobal.org) etwa eine originelle Einrichtung, in die anstelle von Geld Kunstwerke einbezahlt werden können. (wb)
Der Musikphilosoph Wolfgang Böhler (M.A.) studierte an der Universität Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.
