17.04.2007 — Knapp vierzigjährig erwarb sich der 1882 als Sohn eines Schweizer Ehepaars in Le Havre geborene, in Zürich und Paris ausgebildete Arthur Honegger Anerkennung und Ruhm mit dem biblischen Drama «Le Roi David» (1921). Szenische Oratorien und Bühnenwerke (darunter «Jeanne d’Arc au bûcher», «Antigone», «La Danse des Morts», «Judith», «Nicolas de Flue») bilden in seinem Œuvrekatalog einen Schwerpunkt.
Vielseitig war sein Schaffen, das deutsche und französische Einflüsse assimilierte, facettenreich die stilistische Palette. Doch trotz herausragenden Meisterwerken wie den fünf Sinfonien, den sinfonischen Sätzen «Pacific 231» und «Rugby», den drei Streichquartetten und den Filmmusiken ist Honeggers Beachtung im Konzertleben marginal.
Aus Anlass von Honeggers 50. Todestag veranstaltete Laurenz Lütteken 2005 am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich zusammen mit der Paul Sacher Stiftung (der Basler Mäzen war ein engagierter Förderer Honeggers) eine internationale Tagung zum Thema «Isolation und ästhetische Autonomie: Arthur Honegger in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts». Der Musik-Konzepte-Band 135 dokumentiert die Ergebnisse der Tagung und damit Werkaspekte und die Ästhetik des Komponisten und Autors.
Musikdenken und Musikschaffen Arthur Honeggers analysiert Peter Revers. Er erläutert die grosse stilistische Bandbreite des heterogenen Œuvres mit seinen konservativen und avantgardistischen Komponenten und die von Guillaume Apollinaire inspirierte Ästhetik.
Ulrich Konrad behandelt die Tradition der Sinfonie um 1945 am Beispiel von Honeggers Dritter, der «Symphonie liturgique» (1946). Ulrich Tadday vergleicht die «Symphonie liturgique» und die 4. Sinfonie «Deliciae Basilienses» zwischen Innovation und Affirmation in Form und Inhalt.
«Der wilde Arthur Honegger»: Eine Studie zur Bedeutung des «Archaischen» im ersten Schaffensjahrzehnt trägt Hans Jörg Jans bei. Vor dem Hintergrund der biografischen und kulturgeschichtlichen Voraussetzungen und der sich rasch verändernden Lebens- und Arbeitsbedingungen Honeggers stellt er «Le chant de Nigamon» (1917) und «Horace victorieux» (1921) in den Mittelpunkt.
Der Begegnung und der Zusammenarbeit von Honegger und Paul Claudel widmet sich Huguette Calmel; detailliert geht sie den Intentionen des Komponisten und des Textdichters in «Jeanne d’Arc au bûcher» nach. Ein kaum mehr bekanntes szenisches Werk, das für die Schweizerische Landesausstellung von 1939 in Zürich geschaffene Festspiel «Nicolas de Flue», und die damit intendierte ethische Erneuerung des Musiktheaters ist Gegenstand von Ivana Rentschs Untersuchung. (ws)
Arthur Honegger. Reihe Musik-Konzepte, Band 135. Neue Folge, herausgegeben von Ulrich Tadday. I/2007, edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, München. 122 Seiten mit Abbildungen und Notenbeispielen. € 16,–. Fr. 27.80. bei Amazon kaufen