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07.12.2007 — Viel Aufbruchstimmung herrschte im Juni, als der Startschuss für die vom Schweizer Musikrat getragene Initiative «jugend + musik» offiziell lanciert wurde (die Homepage dazu: www.musikinitiative.ch). Nun droht das gutgemeinte Lobbying für die Anliegen der klingenden Kunst zum Fiasko zu werden: Informell hat man sich zum Ziel gesetzt, bereits bis Ende dieses Jahres 100’000 Unterschriften zusammenzubringen und bis Ende Juni 2008 die Anzahl zu verdoppeln. In einem Rundschreiben haben Hector Herzig und Mark Flury, die Koleiter der Projektgruppe «Initiative» vor kurzem allerdings einen Hilferuf gesendet. Bis Ende Oktober sind offenbar bloss 15’000 Unterschriften auf der Geschäftsstelle des Musikrates eingetroffen, also bloss 15 Prozent der erhofften Anzahl.
Rechnet man die Sammelfrequenz hoch, werden innerhalb der 18 Monate Frist bis zum Einreichen der Initiative nicht einmal 70’000 der notwendigen 100’000 Unterschriften vorliegen. Geht man davon aus, dass eine erheblich höhere Zahl gesammelt werden muss, weil nie alle Unterschriften als gültig anerkannt werden, und dass mit den bis heute zusammengeklaubten Unterzeichnern das Potential der Enthusiasten weitgehend ausgeschöpft worden ist, dann zeichnet sich ein klägliches Scheitern des Vorhabens ab.
Über die Gründe für die drohende Pleite kann nur spekuliert werden. Möglicherweise war es naiv anzunehmen, dass alle aktiven Musiker sich automatisch hinter der Initiative scharen würden. Die dem Musikrat angeschlossenen Verbände zählen insgesamt rund 500’000 Mitglieder. Das heisst, mindestens jedes fünfte müsste das Anliegen aktiv unterstützen. Das ist viel. Sehr gut möglich ist, dass sich vor allem in den bürgerlich geprägten Musikvereinen nicht alle gerne exponieren und sich dort kaum jemand findet, der oder die sich mit Elan und Durchsetzungskraft hinter das Sammeln macht.
Das Rundschreiben sendet einen etwas naiv anmutenden Aufruf zur Solidarität aus und macht den Eindruck, da werde die Verantwortung nach unten delegiert. Vielleicht haben die Initianten die Anforderungen einer politischen Aktion massiv unterschätzt. Eine Rückfrage bei Verbänden und Organisationen, die mit der Realisierung von Initiativen Erfahrung haben (man sieht sie schon die Hände verwerfen), hätte da wohl einiges in etwas anderem Licht erscheinen lassen. Unterschriftensammeln ist echte Knochenarbeit und wird überdies nicht selten von bürokratischen Hürden behindert.
Sollte die Initiative tatsächlich nicht zustandekommen, dann wäre der Imageschaden wohl mehr als nur empfindlich, und der Musikerziehung würde ein grosser Bärendienst erwiesen. Das Initiativkomitee ist jetzt gefordert. Es hat nun keine Wahl mehr und muss mit aller Kraft dafür sorgen, dass das Projekt doch noch zu einem guten Abschluss kommt. Einfach auf den guten Willen der Basis zu hoffen, genügt da nicht. (wb)
