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Pius Knüsels Pläne fürs «Crowd Financing»

Von Wolfgang Böhler

 

08.06.2011 — Das gibt’s ja selten, dass eine Schweizer Förderinstitution eine andere öffentlich dazu auffordert, ein strategisches Zukunfts-Projekt gemeinsam aufzugleisen. Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel hat’s mit dem Migros Kulturprozent getan. Deuten sich da früh Umwälzungen in der Kulturfinanzierung an?

Der Reihe nach: In Aarau hat «Ménage», das Programm der Pro Helvetia zur Anregung des Dialogs zwischen Kultur und Politik, eine Abschlussveranstaltung durchgeführt. Pius Knüsel philosophierte dabei über die Eigenheiten der Schweizer Kulturfinanzierung, die sich mit ihrem speziellen Modell der privaten Stiftungen irgendwo «zwischen der amerikanischen Geber-Mentalität und einem französischen staatlichen Steuersystem» situiere.

Er gab zu bedenken, dass die Schweizer grosszügig seien, wenn es darum gehe, Projekte aufzugleisen oder am Leben zu erhalten – vor allem im sozialen Bereich. Er könne sich deshalb vorstellen, dass sich innovative gemeinschaftliche Finanzierungsmodelle, wie sie in Amerika recht gut funktionierten, auch hier einführen liessen. Der Pro-Helvetia-Direktor denkt dabei vor allem an die sogenannte «Schwarmfinanzierung» (englisch: «Crowd Financing»).

Kapitalsuchende stellen dabei auf Internetplattformen ihre Projekte vor, und beliebig viele potentielle Kapitalgeber können diesen beliebig kleine oder grosse Beiträge zusichern. Das Geld wird dem Projekt erst ausbezahlt, wenn eine Mindestkapitalmenge erreicht wird. Findet ein Projekt nicht genügend Interesse, können die zugesicherten Gelder an weitere Projekte vergeben werden.

Philippe Bischof, der Leiter der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt, der ebenfalls am Podium teilnahm, war gerade aus Berlin zurückgegekehrt, wo er am Kongress «netz.macht.kultur – Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft» teilgenommen hatte. Dort, so Bischof, sei Schwarmfinanzierung ebenfalls ein Thema gewesen, und es habe sogar Branchenbeobachter gegeben, die sich dort hätten vorstellen können, mit dem Modell riesige Unternehmungen wie den Film «Titanic» zu realisieren. Es habe das Potential, die Kulturlandschaft vollkommen zu verändern.

Knüsel bekräftigte, dass Pro Helvetia solche Initiativen in der Schweiz unterstützen werde. Ja, und dann adressierte er eben direkt die ebenfalls anwesende Hedy Graber, die Leiterin Direktion Kultur und Soziales des Migros Genossenschafts-Bundes, und erklärte, dass das «so eine klassische Kooperation Pro Helvetia/Migros sein könnte». Die etwas überrumpelte Kulturprozent-Chefin wollte sich da allerdings nicht festlegen.

Nun, Schwarmfinanzierung hat möglicherweise die Sexyness und Originalität, um zum nächsten grossen Ding in der Kulturfinanzierung zu werden. Da sind wir mal gespannt, wie das in der Familie der Schweizer Förderinstitutionen weiter gären wird. (wb)

Der Musikphilosoph Wolfgang Böhler (M.A.) studierte an der Universität Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.

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