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Schostakowitsch, der Sinfoniker

04.10.2005 — «Die Sinfonik von Schostakowitsch, neben den Sinfonien von Sibelius und inzwischen vielleicht von Henze wohl das bedeutendste und geschlossenste sinfonische Œuvre des 20.Jahrhunderts, diese Sinfonik ist geprägt von dem Dilemma, einerseits weltanschauliche Musik für die große, ideologisierte Öffentlichkeit einer furchtbaren Diktatur sein zu sollen, andererseits kompositorisch eigene, unangepaßte Wege gehen zu wollen und zu müssen.»

Weiter heisst es im Vorwort dieser von Hans-Joachim Hinrichsen und Laurenz Lütteken herausgegebenen Publikation: «Mit der Indienstnahme durch die diktatorische Öffentlichkeit mußte sich folglich ein gattungsgeschichtlicher Konflikt zuspitzen, der in seiner Tragweite noch kaum ausgelotet zu sein scheint und dem intensiver, genauer nachzuspüren zweifellos lohnend ist.»

Im Rahmen der Zürcher Festspiele 2002 kamen die ersten neun Sinfonien Schostakowitschs zur zyklischen Aufführung. Begleitend zum Festspielthema befasste sich ein wissenschaftliches Symposium mit der Sinfonik des Russen und dem Spannungsfeld des sinfonischen Komponierens zwischen Bekenntnis und Verweigerung.

In der Reihe «Schweizer Beiträge zur Musikforschung» sind nun die Symposiums-Referate publiziert worden. Sie erhellen und interpretieren aus verschiedenen Blickwinkeln und in unterschiedlichen Kontexten den zeitgeschichtlichen Hintergrund, Schostakowitschs Biografie und sein Komponieren, nicht nur in der Gattung Sinfonie.

Die neun Beiträge

– Gernot Gruber: Bekenntnis oder Verweigerung – in ästhetischen Gegenständen?

– Daniel Weiss: Musik und Sprache als Waffen des Widerstands: der Kasus Schostakowitsch

– Andreas Wehrmeyer: Musikpolitik im Stalinismus

– Detlef Gojowy: Schostakowitsch und die russische Sinfonik im 20. Jahrhundert

– Inna Barsowa: Zwischen ,gesellschaftlichem Auftrag’ und ,Musik der großen Leidenschaften’: Die Jahre 1934–1937 im Leben Schostakowitschs

– Michael Koball: «Das Lachen blieb stets eine freie Waffe in der Hand des Volkes!» Schostakowitschs sinfonische Groteske vor dem Hintergrund seines Frühwerks

– Stefan Weiss: Wind aus dem Westen: Zur Hindemith-Rezeption des jungen Schostakowitsch

– Anne C. Shreffler: Denkmal wider Willen: Der Komponist der Leningrader Sinfonie

– Michael Heinemann: Schostakowitschs Bach
(ws)

Hans-Joachim Hinrichsen und Laurenz Lütteken (Hrsg.): Zwischen Bekenntnis und Verweigerung. Schostakowitsch und die Sinfonie im 20. Jahrhundert. Symposium Zürcher Festspiele 2002. Schweizer Beiträge zur Musikforschung, Band 3. Mit Notenbeispielen und Abbildungen. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2005. 128 Seiten.
€ 29,95. Fr. 53.90.

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